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Langlütjen I und II in der Weser


Die Insel Langlütjen I wurde im Jahre 1876 fertiggestellt und der erste Schießversuch fand vom 22.-26. Mai 1876 statt. Das kaiserliche Fort Langlütjen II kam erst 1880 zum Abschluß. 





Um Langlütjen I gegen feindliche Geschosse zu schützen und zugleich gegen die Einwirkungen Fluten und Eisgängen zu schützen, entschied man sich zum Bau einer Erdenveloppe (Aufschüttung). Auf Langlütjen I gab es während des II.Weltkrieges  zwei Anlegestelle für Schiffe, der eine Anleger hatte sogar einen Schienenanschluß. Per Boot wurden Munition und Verpflegung von Bremerhaven gebracht.



Langluetjen I, Foto: Peter Müller 4/2002

Die Festung Langlütjen I war ein Fort mit Gewölbekammern, zweistöckig und geräumig angelegt. In den unteren Gewölben lagerte die Munition, darüber waren die Mannschaftsräume, auch alle in Gewölben untergebracht. Und oben drauf waren die Geschütze eingebaut. Auf einer besonderen Betonkonstruktion mit Stahlplattenabdeckung.(1944/1945)

Luftaufnahmen kann man entnehmen, daß Langlütjen I nicht kreisrund, sondern rechteckig mit abgerundeten Ecken ist. Ein einziger Treffer hätte die ganze Batterie in die Luft gejagt. Die große Tat der Besatzung war zu Beginn des II.Weltkrieges ein stundeslanges Sperrfeuer zur Abwehr eines englischen Angriffs auf Bremerhaven.
Bei unserem Besuch am 1.8.1992 lagen auf L1 die Trümmer der gesprengten Befestigungsanlagen durcheinander, wie sie aus Ziegelstein für die Ewigkeit gebaut wurden. Dazwischen schoben sich gewaltige Stahlbetonteile der Flakstände. Nach und nach hat die Natur wieder Besitz von der Insel genommen. Holunder und Birken, Schafgarbe und Glockenblumen haben sich angesiedelt.
Wie man einer Liste des Internationalen Suchdienstes (und auch des Bundesanzeigers) entnehmen kann, war Langlütjen I kein KZ. 1983 wurde der 55m hohe gelbe Turm, die Radarstation Tettens, auf Langlütjen I gesetzt. Zeitgleich wurde der Erddamm zum 1,7ha großen Eiland befestigt. (Bei Sturmflut kann ein Hubschrauber auf der seewärts zugewandten Seite auf dem ehemaligen Exercierplatz landen und die Mannschaft für den Radarturm dort absetzen, wenn der Damm einmal unter Wasser stehen sollte)
Anlässlich unseres Besuches am 21. April 2002 schien die Sonne. Ein wunderschöner Aprilsonntag mit Temperaturen bis +17°C. Auf dem Weg vom Deich über den befestigten Weg zum ehemaligen kaiserlichen Fort musste man ganz schön aufpassen, dass man sich nicht die Fußknöchel brach. Kurz vor dem Betreten der Halbinsel wird man dann in aller amtlichen Strenge vom Wasser- und Schifffahrtsamt in schriftlicher Form darauf aufmerksam gemacht, dass Lebensgefahr besteht, wenn man die Insel betritt. Ängstlich schaute ich nach gefährlichen Sauriern und Pantern aus, aber es passierte nichts dergleichen. Der historisch interessierte Mensch wird enttäuscht. Denn außer ein paar wild herumliegenden Betonteilen und Resten von Haubitzen-Plattformen trifft man nur Liebespaare, die man vielleicht gerade gestört hat. Nur die Aufschrift der SDAJ, dass hier angeblich mal ein KZ gewesen sein soll, gibt der ganzen Stätte überhaupt eine gewisse Bedeutung. Auch wenn die SDAJ nicht recht hatte, die Aufschrift ist hilfreich im Verweis auf eine historische Bedeutung.

Das ehemalige kaiserliche Fort und KZ Langlütjen II in der Weser
(aus Peter Müller, Manuskript und Dokumente zu einem antifaschistischen Rundgang Bremerhavens, 1985-VVN/BdA Archiv Bremen)  
Von September 1933-Januar 1934 Konzentrationslager. In der Außenweser gegenüber Brinkamahof. Langlütjen war ein kaiserliches Marine-Fort. Auf der westlichen Seite. Sicher ist, daß hier eines der ersten KZs der Nazis eingerichtet wurde, indem nach Augenzeugenberichten Menschen mißhandelt wurden. Neben den aus dem Lager Mißler (Bremen-Findorf)  Entführten, wurden aus den Unterweserorten aus den Gefängnissen an der Karlsburg (jetzt Hochschule Bremerhaven) und der Jacobistraße die Menschen aus ihren Zellen geholt und in das Fort überstellt.
Nach einem Bericht von Dr. Ernst soll hier auch Karl Salomon eingesessen haben.
(vgl. Dr. Manfred Ernst, Der aufrechte Gang-Widerstand und Verweigerung in Bremerhaven 1933-1945, Ditzen Verlag 1985, S.46ff)
Das verstorbene DKP-Mitglied Hein Gerken berichtete ca. 1985 in einem Gespräch mit einer Schulklasse von Uli Sittermann an der Humboldt-Schule, daß auch Folkert Potrykus eingesessen hat.
Krabbenfischer und Paddler, die sich dem Fort näherten, wurden unter Beschuß genommen und vertrieben. Die Schreie der Gefangenen, die den Folterprozessen unterworfen waren, waren oft meilenweit auf der Weser zu hören (Weserkurier vom 20.11.1945).
Aus naheliegenden Gründen wurde das KZ im Januar 1934 aufgelöst.
Willy Nußbaum, Mitglied der Bremer KPD, gehörte zu den Gefangenen auf Langlütjen II. Er berichtete: "Als ich 3Wochen bei Mißler war, wurde dies Lager aufgelöst. 20  Häftlinge- angeblich die schlimmsten- kamen als erster Transport nach Langlütjen-Sand.
Langlütjen-Sand ist ein Fort in der Wesermündung. Diese Insel ist künstlich angelegt worden, von dem Sand, der bei der Anlage des Nord-Ostsee-Kanals dort herausgebaggert wurde.
Eine Woche nach unserer Ankunft auf Langlütjen kam ein neuer Transport. Wieder 20 Genossen aus dem Gefangenenhaus und dem UG. Unter dem Transport waren 4 Genossen aus Vegesack. Die Lagerleitung hatte die Anweisung bekommen, diese Genossen nicht zusammenzulegen, da sie in dieselbe Sache verwickelt waren, damit sie sich nicht untereinander verständigen konnten.
Die Lageleitung machte sich die Sache sehr einfach: Es waren vier Arrestzellen im Lager und jeder Genosse kam in eine dieser Zellen. Diese vier Genossen waren nun die ersten Opfer der SA-Strolche. Was in den Zellen vorging, entzog sich unserer Kenntnis, wir sahen nur, wie die Genossen von der SA mit großem Geschrei von Zeit zu Zeit um das Fort getrieben wurden, wobei sie kräftig verprügelt wurden.
Als am anderen Morgen ein Genosse  aus der Küche in Begleitung eines SA-Postens diesen Genossen Kaffee bringen wollte, war der eine Genosse an seinem Riemen in seiner Zelle aufgehängt. Der Lagerleiter erklärte, er habe sich selber das Leben genommen.
Wir aber alle waren einstimmig der Meinung, daß der Genosse bei der sog. "Vernehmung" in der Zelle von der SA aufgehängt worden war."
(aus dem Lebenslauf von Willi Nußbaum (Bremen-KPD), notiert von Maria Krüger, S.3)

Am 1. August 1992 habe ich zusammen mit meiner Frau an einer Wattwanderung nach Langlütjen II teilgenommen. Ich möchte mich an dieser Stelle sehr herzlich bei Elke Martens bedanken, die die Veröffentlichung der Fotos erst möglich gemacht hat indem sie sich bereit erklärte die alten Fotos zu scannen und bearbeiten. ( Ich habe immer noch keinen Scanner- aber Weihnachten soll`s besser werden)
Danke Elke.

Hier meine Fotos von Langlütjen II:










"Luftaufnahme von Langlütjen II im Jahr 2003" von Heiner Otto (herzlichen Dank :-)

Am 3. Juni 2007 schickte mir Jürgen-Bernhard Adler folgende Mail zum Thema Langlütjen I:

Sehr geehrter Herr Müller,

zunächst: großes Kompliment für die interessanten Seiten über die
Marine-Forts. Habe diese nutzen können, um die Tätigkeiten meines Großvaters
im zweiten Weltkrieg zu rekonstruieren. Zuletzt Batteriechef einer
Marine-Flak-Batterie auf Norderney, hatte er wenigstens seine
artilleristische Ausbildung auf Langlütjen I durchlaufen.

Zu bieten habe ich 2 Ansichten der Festung (Tageslicht, Flakfeuer bei Nacht)
sowie eine Innenansicht des Forts...

Anbei die Fotos der Batterie. Die Innenansicht zeigt die intakten Gebäude und
kann auf Wunsch nachgeliefert werden.


Viele Grüsse


Jürgen-Bernhard Adler



Langlütjen I Flakfeuer bei Nacht (Bernhard Mammen 1941)



Langlütjen I vom Land her gesehen (Bernhard Mammen 1941)



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