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Es werden Posts vom September, 2015 angezeigt.

2474/149 Sch..

gestern im "Joyce"
stand plötzlich neben mir ein Mann
schlank, dunkelhaarig, Sonnenbrille
und sofort war mein Unterbewusstsein
alarmiert
ist das?
war das Sch... von damals,
den ich unter Betreuung hatte,
dieser arrogante Typ mit dem drohenden Unterton
es kam aus dem Bauch
wenn er psychotisch war,
trug er Sonnenbrille
wollte Geld, forderte
irgendwann war ich ihn los
die Betreuung wurde aufgehoben
wegen Nutzlosigkeit
später erfuhr, dass Sch..in der Psychiatrie-Ost
im Kranken Bremen-Ost gelandet war
in der Geschlossenen
und irgendwann rief ein Gutachter an
und wollte wissen..
ist Sch.. wieder draußen, macht weiter
ohne Medikamente??
heute soll Sch.. auch im "Joyce" gewesen sein
hat sich einen Kaffee für 1,50€ bestellt
ist sofort wieder gegangen
der war unheimlich, meinte Siri
ich hatte damals Angst vor ihm
irgendwann war in der Psychiatrie
und ich sollte aus seiner Wohnung
Klamotten holen
als ich nach Hause komme
sind mir die Wände nicht dick genug
und ich stelle mein Handy auf lautlos


2473/25

es ist lange her
früher um diese Zeit 
war ich schon auf dem Sprung zur Arbeit
früher um diese Zeit
war schon Dienstbesprechung um 8.30 Uhr
früher um diese Zeit
hatte ich den Kopf voller Sorgen,
ob ich es schaffe,
ob ich die viele Arbeit schaffe
wie ich mit der Überlastung umgehe
wie ich mit schwierigen Klienten umgehe
früher
es war ja nur für einen Tag
heute werde ich zu Fuß zur Bank gehen,
Lotto für meine Frau abgeben
und vier Brote beim Bäcker kaufen
heute möchte ich später in den Fischereihafen
fahren und dort die alten Fischhallen
fotografieren
einen schönen, langen Spaziergang
im Fischereihafen machen
mein Beitrag zum Projekt
"Bremerhaven verändert sich"

2471/23

und der junge Türke,
der damals drei Nein gesagt hatte
bei der richterlichen Anhörung
zur Betreuung
sagte:
mein Betreuer kümmert sich nicht um mich
später verweigerte er ärztliche Behandlung
wegen seiner Psychose
er hat mindestens eine Wohnung
deshalb verloren
auch sonst machte er was er wollte,
handelte mit Drogen
zog um ohne Bescheid zu sagen
plötzlich war er verschwunden
einer, der sich nichts sagen lässt
und der Betreuer ist nicht bestellt,
um sich um ihn zu kümmern,
der hat die rechtliche Vertretung
und das für 70 Menschen

2469/477 Die Bayern haben Recht

es wird wohl alles nichts nützen
wir müssen da durch
mit all den vielen Asylbewerbern
in den nächsten Jahren
wenn wir Glück haben
gelingt es,
einige Zehntausend wieder
in den Balkan abzuschieben
mir scheint
unsere Bundesregierung schläft zur Zeit
oder ist paralysiert
um den weiteren Zustrom von Flüchtlingen
zu stoppen
und auch die Grenzen zu sichern,
egal was die anderen Ländern sagen
die Bayern und die CSU haben Recht

2467/

Arbeitskreis Stadtgeschichte
AK mobile Stadtchronisten
ich habe nun fast alle Stadtteile
inclusive die Häfen fotografiert
und bin nun auf der Suche nach...
was fehlt noch?
Flüchtlingskaserne Roter Sand?
mal schauen, was morgen passiert
an der Columbuskaje liegt der Kreuzliner

2466/ Europa

ich frage mich, ob es überhaupt
noch eine funktionsfähige EU gibt
die Asylfrage hat doch gezeigt,
das jeder seinen eigenen Weg geht
die EU hält nicht mehr zusammen
schon Griechenland hat gezeigt
welche Zentrifugalkräfte wirken
insofern bin dafür,
dass wir den Quatsch mit den offenen Grenzen
vergessen
wir müssen nicht gleich die Mauer wieder
aufbauen an der Zonengrenze
aber
ich bin dafür, dass wir die Grenzen
zu unseren Nachbarn wie Österreich,
Polen, Tschechei schließen
und zwar richtig...
der Zustrom von Flüchtlingen muss 
drastisch begrenzt werden
Kontingentierung

2464/271

Annemarie fühlt sich auch bedroht
von der Zahl der einströmenden Ausländer
also Asylbewerber
die meisten in Bremerhaven kommen
aus dem Kosovo und Albanien,
das ist bekannt
was denken, die über uns?
halten sie uns für blöd,
dass wir sie durchfüttern?
lachen die über uns?
die ganze Kiste läuft falsch
jedenfalls was die Armutsflüchtlinge betrifft
und auch sonst muss der Zustrom
der angeblichen Kriegsflüchtlinge begrenzt werden
alle wollen nun aus Syrien sein
das macht unglaubwürdig
oder sie haben ihre Pässe weggeworfen,
weil sie etwas zu verheimlichen haben
die Regierung arbeitet dran
aber das alles geht viel zu langsam

2463/259 Ausländer und Asyl

nachdem ich heute Morgen
zum wiederholten Mal
auf der Hafenstraße, Goethestraße
und Bürger erlebt habe,
was hier an Ausländern, Asylbewerbern,
Migranten, Flüchtlingen, Urlaubern
unterwegs ist
das gefällt mir das gar nicht
da kommen mir solche Nazi-Parolen
wie Überfremdung und Asylantenflut
in den Kopf
irgendwas läuft da schief
kann es sein, dass Politik versagt
oder falsch lenkt?
ist das unsere liberale Europa-Politik?
ist das das Ergebnis von offenen Grenzen?
wovon leben diese Menschen?
was wollen sie hier?
und es kommen täglich weitere 10.000
Menschen nach Deutschland
so die Lager schon voll sind
wer soll das bezahlen und
wer soviel Geld?


2461/172

meine nächste Fotosession werde
ich wohl in  Mitte starten
wie wäre es mit einem Gang
durch die Hauptgeschäftsstraße von
Bremerhaven Fischtown?
morgen früh oder heute Nachmittag
auf der Suche nach dem neuen Stadtbild
dem internationalen Gesicht von 
Fischtown oder wie oder was??

2460/170 Im Schloß

seit letzter Woche Donnerstag
wartete Tom Steenbruck auf den erlösenden
Anruf aus dem Schloss
der Landvermesser wollte nun anfangen
zu arbeiten
aber vom Schlossherrn war nichts zu vernehmen
man ließ ihn warten
die Oberen haben zu tun
Tom möge sich gedulden
viele Dinge sind wichtiger
Tom hatte sich beschwert
aber wahrscheinlich alles nur noch
schlimmer gemacht
auch seine Gesellen murrten schon
aber das Ziel im Auge sagte sich Steenbruck:
was willst Du?
du bist nun schon seit so weit vorgedrungen
bis zum Schloss
willst du auf halber Strecke aufgeben?
zugegeben von hier war nicht mal
der Burggraben zu sehen
man werde ihn anrufen
hatte einer mitteilen lassen
die Dame wird sie in den nächsten Tagen
anrufen
gedulden sie sich
Tom hatte viel, aber keine Geduld

2458/157 Bronx

Spaziergang in Lehe
von der Neuen Straße die Hafenstraße
runter fotografiert
und mich über die vielen Ausländer
gewundert, die hier herumlaufen
die meisten wahrscheinlich aus dem
ehemaligen Jugoslawien
einfache Menschen
in der Goethestraße treffe ich dann
nach zwei Jahren einen ehemaligen
Klienten,
einen jungen Türken der am Rolli geht
Schlaganfall sagt er
ich denke an Drogen
er ist obdachlos
damals hatte er 200 Gramm Marihuana
bei sich
das Verfahren läuft immer noch
immer noch anhänglich
ich bin in Rente und will meine Ruhe
einige hundert Meter weiter noch
ein ehemaliger Klient aus der Ukraine
der damals sehr schwierig war
schleppt Möbel




















































2455/311 Besserwisser

es ist eine bestimmte Typen von Menschen,
die alles wissen
oder glauben alles zu wissen
sie sind gebildet
sie sind sprachgewandt
bereit jeden niederzureden,
der sich ihnen entgegenstellt
und doch sind sie nur anstrengend,
nervend und eingebildet
wenn es um einfache Dinge geht
wenn es um den lebenspraktischen Ansatz geht
sind sie die größten Versager
wenn es um ihre eigenen Kinder geht
sind sie die größten Looser
und sie wissen immer alles besser
wissen zu allem was zu sagen

2454/ Das Krokodil

der Mann hatte mit seinen Magenschmerzen
gekämpft
als stehe er vor einer Metamorphose
zum Krokodil
er wand sich lautlos
und wartete auf den richtigen Augenblick
dann aber blitzschnell goss sich der Mann
den messerscharfen Schnaps in den Hals
und überlistete das Krodil


2452/137 Fotoprojekt Flüchtlinge

vereinbart war eine Foto-Ausstellung
im Rathaus Langen zu Weihnachten
da die Fotos gut waren
wurden schon auf dem "Fest der Kulturen"
die ersten elf gezeigt
in Vorbereitung auf das Fest
gab es einen Artikel in der Zeitung
auf dem Fest war die Resonanz sehr gut
danach zieht die Foto-Galerie weiter
auf den Flüchtlingsgipfel am 6. Oktober
was für eine tolle Anerkennung
und danach weiter ins Rathaus
was will ich mehr?
ich hatte bei der Wahl meines 
Fotoprojekt eine glückliche Hand
das richtige Thema zur richtigen Zeit


2451/119 Flüchtlingsgipfel

der Flüchtlingsgipfel ist in Vorbereitung
meine elf SW-Fotos werden dort
auch gezeigt
danach sollen sie ins Rathaus umziehen
das gefällt mir
ich werde auf dem Gipfel 
weitere Fotos machen
von Flüchtlingen...
aber es müssen noch Hausbesuche
gemacht werden
und mir läuft die Zeit davon
wenn Weihnachten im Rathaus
die Fotoausstellung richtig gut werden
soll

2449/98

das Lokal war fast leer
dafür war Jary da und an unserem
Tisch saß noch eine Frau,
die ich nicht kannte
da waren wir zu dritt
später kam noch Bimo dazu
die Oberkellnerin fragte,
was ich essen wollte
und ich antwortete: Füssch!
es war eine nette Unterhaltung mit der Neuen,
die keiner kannte
und Zoe strahlte und machte
alle glücklich
später draußen beim Gehen
trafen wir den Doktor,
der hatte sich den rechten Arm gebrochen,
war gestürzt
in Behandlung ja, Gips nein
er müsse Zuhause alles organisieren
na, denn

2445/218 Krautsand

an der braunen Elbe
schöne Sicht, blauer Himmel
mit Zuckergebirge
ein schöner Herbstnachmittag
an der Elbe
wir suchen den Friedhof
und die Frau, die hier begraben wurde
Urnenfriedhof
finden sie aber nicht
dafür finden wir einen Touristenort
abseits der großen Welle
ab und zu kommt ein Dampfer vorbei
macht Wellen
auf dem Fähranleger lümmeln sich
die Alten und die Jungen in der Sonne
schöne Stimmung, Fotos machen
Langnese-Eis und Blankenese
schön, dass wir den Navi auf meinem
Iphone hatten...





2443/88 Der Zeitungsjunge

an jenem Morgen lag ein Stapel
Zeitungen unausgepackt
mit Plastikband verschnürt
im Treppenhaus
mach selbst lautete die Botschaft
hol dir eine Schere von oben
wenn du Zeitung lesen willst
einen Sonntag später lagen neun Stapel
Zeitungen  unausgepackt im Hauseingang
später stellte sich heraus,
das der junge Mann,
der den Job übernommen hat
seit sechs Uhr unterwegs war
sein Fahrrad war kaputt
und draußen regnete es
manchmal sehe ich den jungen Mann
wie er auf der Straße geht
schlackerig, haltlos, kaum grüßend
irgendwie seltsam
wenn er tagsüber nach oben geht
macht er das Treppenhauslicht an
an diesem Morgen hatte Jean-Pierre
seinen Job gemacht
alle Zeitungen steckten im Briefkästen
und keine Stapel blockierten den Durchgang
ich nehme die Zeitungen für meine Etage
und verteile sie

2441/65 Spontaneität

nachdem der Morgen wundervoll
begann voller Glück
und wir beim Frühstück sitzen
weiß ich plötzlich nicht mehr
was ich will
zuerst die Meditation
oder zuerst duschen
oder einfach nur sitzen bleiben
bis die Energie wieder kommt?
ich spüre meinen Atem
wie er ein und ausgeht
und langsam ist der Augenblick
geworden
langsam kriecht die Sekunde dahin
vielleicht muss ich nichts tun 
vielleicht muss ich es passieren  lassen
weniger Selbstkontrolle
Raum für Spontaneität

2440/62 der vierte Schritt

meine Gedanken sind schon
vier Schritte voraus
dabei was ich heute morgen mache
putzen und spazierengehen
wie es  heute Nachmittag
in Krautsand wird
wie das Fernsehprogramm heute
Abend ausfällt
und was macht der erste Schritt
hier und jetzt?
dieser erste Schritt ist schwer
mit den eigenen Gedanken
hier zu bleiben 
dicht an den augenblicklichen Gefühlen
nicht zu flüchten irgendwohin
wo wir keine Macht haben
jetzt
genießen den Augenblick
spüren aus ausleben
langsam werden mit dem Kopf

2439/52 Ignorant

wenn ich ihn treffe,
erzählt er vom letzten Rockkonzert
oder dass er zum Grillen eingeladen war
oder wo es wieder abends Musik gab
wie es ihm geht 
sagt er nicht
über sich, seine Probleme
hat er noch nie gesprochen
er kann Geschichten erzählen,
die witzig sind
und ich denke:
noch ein Märchen
zuhören kann er gar nicht
er interessiert sich auch nicht
für andere Menschen
es geht ihm doch wieder gut

2437/527 Gespräch mit Gott

es hat doch alles keinen Sinn,
sagte Francis zu seinem Gott
was bringt das denn schon?
Gott:
reiß dich zusammen
Francis: es passiert einfach nichts,
ich häng hier herum ohne Arbeit
Gott:
du bist ein alter Mann,
der in Rente ist, ruh dich aus
Francis:
irgendwie ergibt sich ja immer was
zu tun, ich habe mich genug ausgeruht
Gott:
du möchtest gebraucht werden?
Francis:
ich brauche was zu tun. Staub putzen ist
mir am Sonntag morgen zu wenig
Gott:
du hast lange nicht mehr gebetet
Francis:
das fehlt mir noch. Eigentlich sollte ich schon
lange wieder laufen, aber mir fehlen Kraft und
Lust. Hänge lieber am PC ab.
Gott:
was ist denn mit deinem Achtsamkeitstraining?
das hat dir doch immer viel gegeben.
Francis: zu schwer. Unglaublich schwer.


2435/422 Vater

Willibald: ich habe ihn nie wirklich verstanden
und auch nie wirklich gemocht
es war ein Kampf mit ihm
den er immer gewinnen wollte
er wollte immer der Stärkere
der Klügere sein
dabei wusste er eigentlich gar nichts
wie ich heute weiß
was er wusste war von damals
seine Methoden waren veraltet und dumm
er war überfordert
mit seinem sensiblen, nachdenklichen Sohn
er war überfordert smit einem Sohn,
der Bücher lesen und schreiben wollte
er war überfordert
Verständnis für andere Menschen zu haben
er war unfähig über sich zu sprechen
über sein Leben
seine Vergangenheit
seine Verbrechen im Krieg
sein Leiden
es war schwierig mit ihm
ich habe mich nie akzeptiert gefühlt,
weil er wohl in seiner Dummheit
glaubte, dass nur er Recht haben kann
manchmal habe ich ihn gehasst
und verachtet
und hat es etwas genützt
er bleibt mein Vater
gegen Ende haben wir unseren Frieden geschlossen





2434/413 die Gräfin ***

die Gräfin saß stolz erhobenen Hauptes
auf ihrem vielen Geld
ihre scharfen Argusaugen
blickten von oben auf die Menschen
herab
es war gut eine Polin
als Pflegerin zu haben
hoffentlich gab ihr Sohn
ihr nicht zuviel Geld
man musste sparsam sein
und das Geld zusammenhalten
sie saß da wie eine gute Mutter
und hatte alte abgelatschte Schuhe an
da ging die Tür auf
und ein Geist aus vergangenen Tagen erschien
er fragte sie traurig:
hast du Eva gesehen?
nein, meinte die Gräfin, ich habe
deine Eva nicht gesehen, Pablo
und eine traurige Stimmung kam auf
ich muss sie malen, sagte Pablo
und die Gräfin schaute ihn an
ernst, konzentriert wie lange nicht
Pablo, hast du meinen Mann gesehen?
Ja, sagte Picasso, ich habe den Tod gesehen
ich habe den Tod gesehen




2433/393 Chi

und manchmal geht dann einfach
gar nichts mehr
man muss sich ausruhen
Chi aufladen
sich hängen lassen
abhängen
gammeln
dahin dösen
einfach nichts machen
nach dem Spaziergang
Luft holen
und darauf warten,
dass sich wieder Energie sammelt
um weiter machen zu können
wir sind ja keine 20 mehr
odder?

2431/237 Feuerwehr

man hört ja immer wieder,
dass unter den Feuerwehrleuten
auch Pyromanen sind
als Frau Meyer an diesem Tag
aus dem Krankenhaus kam,
war in ihre Wohnung eingebrochen worden
zwei Wohnungstüren waren eingetreten
die Einbrecher hatten keine Visitenkarte
hinterlassen
schließlich stellte sich heraus,
dass ein Nachbar sich Sorgen gemacht hatte
und die Feuerwehr gerufen hatte
der Pressemann von der Feuerwehr
gab eine Erklärung ab
nach dem Motto
die Feuerwehr ist für ihr Verhalten nicht verantwortlich
und auch nicht schadensersatzpflichtig zu machen
so hätten sie es gerne
wir das Amt
so geht es aber gar nicht


2430/232 die zweite Hölle

und als wir im Zeltlager eintreffen,
fragt mich der Familienvater aus Syrien,
der nach vier Wochen noch nicht registriert ist
wir wissen nicht wie es weitergeht?
wielange müssen wir bleiben?
wann bekommen wir Geld und können arbeiten?
Asaf weiß nicht,
wer der Hölle entronnen ist,
hier die zweite Hölle der Ungewissheit durchmacht,
die Hölle der Angst vor Abschiebung
die Hölle der Bürokratie
das wird ein langer Weg Asaf


2429/230 Im Kaufhaus

und wenn dann im Kaufhaus
so eine junge, absolut gut
aussehende Traumfrau von Verkäuferin
dich anlächelt,
mit ihrem durchsichtigen Rock,
der ihre nackten, strammen Beine zeigt
oder eine blonde
vor deren Aussehen und Charme
du auf die Knie sinkst
oder eine kleine Schwarzhaarige
bei deren Gang du nur noch eines
möchtest,
aber schamhaft die Augen niederschlägst
wenn du denn eine solche Traumfrau
als Verkäuferin bekommst
vor der du dich ausziehen musst
gewissermaßen
alter faltiger Knacker, Bierbauch und Glatze
dann möchtest Du noch weglaufen,
in den Boden versinken, dich schämen
und dich auflösen
peinlich, schamhaft...
seitdem spreche ich Verkäufer an,
besser noch ältere

2428/224 Congstar/Telekom

vorher hatte ich eine Allnetflat von Drillich/O2
und war zufrieden (20€),
fast überall hatte ich Netz,
wenn auch nicht so schnell
außer dort wo ein LTE-Sendemast stand
ich brauchte keine LTE
und auch keine Allnetflate
nun habe ich einen Prepaid-Tarif der Telekom
(nennt sich hier Congstar)
300 Minuten, 600 MB bei 14,4Mbit
das tolle ist, dass ich hier bei einem Spaziergang
im Ort Zuhause und sonst
überall die 14,4 Mbit gemessen habe...
das ist toll!
für 13€ im Monat
bestes Netz, schnellstes Netz!

2427/229

Maxime kannte sie alle
die Reichen
und er wusste,
was sie verdienten
Maxime kannte viele Frauen
und er liebte ihre kleinen Hintern
und ihre schönen Brüste
nur sich erkannte er kaum
wenn er schlecht über andere  redete
wenn er sich in Überheblichkeit
und lieblosem Unverständnis übte
wenn er voller Hass sich aufregte
Maxime, der Ernste

2426/197 Große Liebe

er hatte sie schüchtern
zu seinem Geburtstag eingeladen
und sie war die ganze Nacht geblieben
am nächsten Morgen brachte er ihr
Rosen,
obwohl er wusste,
dass sie zwölf Jahre jünger war
und sie sagte:
ich bin ein Schmetterling
ich muss weiterfliegen
sie hatten schönen Sex
am hellichten Tag
sie war schön, schlank und jung
und sie war sexy und charmant
eine Brustwarze ging nach innen
und sie war kokett
Paul war verliebt
und das mitten in der größten Krise
seines Lebens
er war dabei seine Arbeit zu verlieren
er war dabei zu versagen beruflich
irgendwann ging die Junge
und sagte:
du bist mir zu anstrengend
danach war Paul am Boden zerstört
konnte nicht loslassen
und nicht begreifen
er hatte doch gleich am Anfang gedacht,
sie sollte nur ein Notanker sein
und Gemeinsamkeiten hatten sie keine
Paul aber trauerte Sabine viele Jahre
hinterher


2425/130 Paula

sie waren in einer Studentengruppe
in Finnland auf Urlaub
in der Nähe der sowjetischen Grenze
bei Turku
sie hatten einen See für sich
und eine Sauna
eine gemischte Gruppe
Gelegenheit jemand kennenzulernen
Paul gefiel Paula
also versuchte er sein Bestes sie
für sich zu gewinnen
aber das war nicht so einfach
später lebten sie viele Jahre zusammen
unternahmen Auslandsreise
sie ging in den Betriebsrat ihrer Firma
lernte einen Mann kennen
fuhr mit ihm nach Griechenland
und war weg
Paul war mit seiner Arbeit beschäftigt gewesen
Paul war mit sich beschäftigt gewesen
kaum Trauer
merkwürdig

2423/ Pauls Vierte

Paul lernte im Studium 
eine weitere Studentin kennen
jemand gab ihm einen Tip
Lena ging es nicht gut
jemand sprach von Selbstmord
sie war Künstlerin und malte
Lena fiel ihm zu
später wohnten sie zusammen
und sie malte Lenin
Paul erinnerte sich,
dass er oben an seinem Schreibtisch saß
und Lena sich beklagte
über mangelnde Nähe
sie hatte große Brüste und 
bekam Besuch von ihrer Schwester
irgendwann ging sie 
ohne ihn

2422/126 die Dritte

seine dritte richtige Freundin
lernte Paul im Studium kennen
eine Frau gab ihm einen Tip
die mag dich
geh doch mal hin
und sie trafen sich
und Paul verliebte sich in die Süße,
die so schön lachen konnte
ganz schlank war und niedlich
noch später konnte er sich
an ihre kleinen, schönen Brüste erinnern
an ihren flachen Hintern
und ihre freundliche Art
aber sie war nicht zufrieden mit ihm
der nur am Schreibtisch saß
und las
und ging zu einem Wolfgang

2421/ Paul

seine zweite Freundin
lernte Paul in einer Buchhandlung
kennen
als sie da oben auf der Leiter stand
und er ihre schönen Beine sah
sie war schlagkräftig
sie schafften es bis ins Ehebett
organisiert auf einer Party
aber es passierte nichts
sie nahm sich einen Klaus
dann musste Paul reisen
und das Leben ging weiter

2420/123 erste Freundin

Paul erinnerte sich an seine erste
Freundin
es war nicht viel passiert
er lernte ihre Schwestern kennen
sie gingen Samstags in eine Diskothek
namens Hafenschenke
dort hatten sie sich kennengelernt
bei der Musik der Beegees
"Massachusetts"
in der verkehrten die Mariner
seine erste Freundin und er war verliebt
so verliebt,
dass es hinterher richtig weh  tat
als sie zu einem anderen Paul ging
verdammter Typ
sie hatten Zuhause brav auf dem Sofa
gesessen
und Paul hatte ihr Gesicht und ihre Art
geliebt

2419/123 Lloydwerft

ich wünsche es Bremerhaven
und den Lloydarbeitern
aber ich kann nicht glauben,
dass es Wirklichkeit wird,
dass der Lloydwerft eine Zukunft
mit Luxuskreuzfahrtschiffen,
größerem XXL-Baudock
und einem potenten Investor bevorsteht
das wäre zu schön um wahr zu sein
sozusagen
wie die Meyer-Werft Nr. 2
auf jeden Fall mit einer tollen Perspektive
die Sache mit dem Ocean-Park sitzt wohl
noch im Hinterkopf
oder der Glaube, dass Bremerhaven
kein Glück hat?

2418/63 Leben im Griff

jeder möchte sein Leben 
im Griff haben
das ist wohl normal
Kurt versuchte es
jeden Tag 
für diesen Tag hatte er sich vorgenommen
endlich den Wagen zu waschen und putzen
bis er sah,
dass es gute Wetter geben sollte
ich könnte auch in den Park fahren
und laufen
etwas für meine Gesundheit tun
Herz-Kreislauf, Rücken, Lungen
dachte Kurt Schick
den Wagen würde er dann am Montag
waschen
nochmal verschieben wie jeden Morgen?
immer mehr hatte er das Gefühl
sein Leben nicht mehr unter Kontrolle zu haben
immer glitt ihm sein Leben davon
er ließ sich gehen
lebte seine Stimmungen und Träume
und oft war das schön
aber es gab auch Sachen,
die mussten erledigt werden
Disziplin musste sein
Kurt hatte strukturiertes Arbeite geliegt
früher
viele Dinge ergaben sich ganz von selbst
einige Dinge schob Kurt vor sich her
das verdammte Auto musste gewaschen werden
und verdammt, er war schon lange nicht
mehr gelaufen

2416/665 Katjas Schlaf

mit dem älter werden war auch ihr Schlaf
schlechter geworden
Katja reagierte auf Stress
und sofort wurde  auch der Schlaf schlechter
einige Monate lang hatte Katja
kaum geschlafen
ihr Körper musste sich den Rhythmus neu suchen
das war schwer gewesen
das hatte Kraft gekostet
ein Heilpraktiker half ihr mit Akkupunktur
und pflanzlichen Beruhigungsmitteln
noch mehr aber half seine Zuversicht,
dass es wieder besser wird
Katja fiel über die Schlafhygieneregeln,
die von Ärzten entwickelt wurden
und schon zog der Schlaf wieder an
es war ein langer Prozess
nun hatte sich Katja angewöhnt
nach 14 Uhr keinen Kaffee mehr zu trinken
Mittagsschlaf kontrolliert 20 Minuten
nach dem Abendessen keine Speisen mehr
möglichst keinen Alkohol mehr nach 19.30Uhr
aber am wichtigsten war eigentlich
wenn sie am nächsten Tag keine Termine,
keine Aufregung und keinen Stress hatte
schlief sie gut
waren das aufregende Dinge
wurde der Schlaf flacher
das alles war nicht lustig
es erforderte von Katja Disziplin
und jeder Rückfall wurde bestraft
und …

2415/345 Norddeutsche Muffel

der Typ mit der abgenutzten Barbourjacke
und dem Filzhut auf dem Kopf
betrat das Fischrestaurant,
das keines war
seine Brille hatte sich getönt
so dass er wohl seltsam wirkte
er grüßte freundlich
bekam aber keine Antwort
muffelige Bauern, dachte der Typ
zog sich umständlich aus
von den anderen Rentner wurde
er weiterhin nicht beachtet
er setzte sich und wartete auf sein Essen
beobachtete die muffeligen Bauern,
die keine Bauern waren,
sondern Rentner,
die ihre Ruhe wollten
das erste Paar, dass das Lokal verließ
sagten nichts, grüßte nicht
das zweite Rentnerpaar ging auch
ohne zu grüßen
erst das dritte Rentnerpaar sagte 
auf Wiedersehen
immerhin es gibt noch Nette
in Norddeutschland, dachte der Typ
eigenartige Gegend

2413/292 Stolz (und Vorurteil)

worauf ich stolz bin:

-Fotoausstellung im Betreuungsverein
Bau des Geschäftshauses 6/2012-4/2013
 Eröffnung 6. Juni 2013

- Fotoausstellung im Marie-von-Seggern-Heim
  35 + 6 SW-Portraits von Bewohnern
  Vernissage 21. März 2014

- Fotoausstellung in der "Villa" des Afz
  Arbeit und Kurse in der Villa- 
  24 großformatige SW-Aufnahmen
  40 x 60 cm und 50 x 80 cm
  Tag der Offenen Tür 21. Juni 2015

- Fotogalerie in der Jugendhilfestation
  in Bad Bederkesa (DPWV)
  11 großformatige SW-Fotos 40 x 60
  Flüchtlinge in Geestland
  "Give me shelter"
  Fest der Kulturen 18. September 2015

- Flüchtlingsgipfel am 6. Okt. 2015
  dort sollen einige Fotos von mir gezeigt
  werden

- in Planung Fotoausstellung im Rathaus
  Langen/Beers "Gimme shelter"
  Flüchtlinge in Geestland
  wahrscheinlich Weihnachten

 ich bin stolz auf meine Fotos und habe das Vorurteil,
 dass sie Stück für Stück besser werden


2412/284 Staatsfernsehen

und dann freue ich mich,
auf einen schönen Film 
im 1. oder 2. Programm
aber dann heißt es:
nach den Nachrichten gibt es ein Extra
es gibt fast jeden Abend ein Extra
Griechenland monatelang
jetzt die Flüchtlinge monatelang
sie machen die Extras 
um uns zu indoktrinieren
damit wissen, was wir denken sollen
wer sich informieren möchte, kann  ins Internet gehen
deshalb muss man nicht ständig Filme verschieben
es macht den Eindruck von
staatlich gelenktem Fernsehen

2409/147 Flüchtlingshelfer

als Sartre sie das erste Mal sah
und beobachtete,
hatte er den Eindruck, dass Marie
unprofessionell arbeitete
sie nahm noch abends gegen 20 Uhr
Telefonate von Klienten 
auf dem Handy an
und Sartre schüttelte innerlich den Kopf
wann wollte sie mal zur Ruhe kommen?
er lernte sie näher kennen
und hatte den Eindruck,
dass doch so etwas wie ein Helfersyndrom vorlag
wobei sie andererseits selbstsicher
und selbstbewusst auftrat
mit ihrem französisch sah es nicht
so gut aus
ihr Job im Flüchtlingslager wurde dann
nicht verlängert
Sartre fand das schade
und konnte nur vermuten warum

2408/95 Land der Lager

einst war Deutschland ein Land der Lager
der Konzentrationslager und der Arbeitslager
wo Menschen zur Arbeit gepresst
und ausgebeutet wurden
heute ist Deutschland ein Land
der Flüchtlingslager
nach dem Libanon, nach der Türkei,
und vielen anderen Ländern
wenn man dem ZDF-Heute glauben will,
gibt es überall nur noch Flüchtlinge
in Deutschland
diese Sensationsmacherei übt sich auch 
in Dramatik und und Panikmache
das 1. Programm die Tagesschau berichtet
wesentlich sachlicher und wenig hektisch

2407/84 Allemania verändert sich

alle wollen nach Deutschland
wollen wir das auch?
werden wir überhaupt gefragt?
sicher, die Not ist groß
in vielen Ländern herrscht Krieg und Terror
und wann ist die Aufnahmekapazität erreicht?
Deutschland kann nicht immer weiter
täglich tausende von Refugees aufnehmen
wer soll das verkraften?
sie kommen und fragen nicht
sie gehen illegal über die Grenzen
Deutschland wird sich schon um mich kümmern
nur weil sie Zehntausende sind,
sind sie nicht im Recht
die hunderttausend fache Zustrom von Flüchlinge
aus den Ländern des Nahen Ostens
und Afrika 
wird Deutschland nachhaltig verändern
man sieht es schon im Straßenbild

2405/187

Nina freute sich auf den Rückruf
auf ihre Mail
ja, es würde mit der Tournee weitergehen
und ja, sie würde einen neuen Manager
bekommen
besser gesagt, jemand, der die Verbindung
zu den Künstlern herstellte
Nina hatte nun wieder Hoffnung

2403/143

Beim Mittagstisch im Cafe "Schiller"
dann wieder das Gequake von Hauptmann
er befürchte,
es gebe wieder nur ein kleines Stück
Rotbarsch
als dann das Essen kam
waren wie bei mir zwei Stücke Rotbarsch
auf dem Teller
Hauptmanns Kommentar:
hat er wohl irgendwo billig eingekauft,
sind ja nur Endstücke
und so geht das immer weiter
Hauptmann hat immer was zu meckern
Junggeselle
währenddessen Trauerarbeit
um ein Fotoprojekt, 
dass nicht weitergeht
auf Eis liegt

2402/78

nach dieser nieder schmetternden Enttäuschung,
dass Herrn Schmidt der Dolmetscher
abhanden gekommen war
musste klar sein,
dass er sich nicht mehr in die Niederungen
der Armut begeben konnte
das Weihnachtsfest würde anders ausfallen
es war aber auch ein Fingerzeig
des Schicksals einen anderen Weg
einzuschlagen
eine neue Chance
etwas Neues zu beginnen

2401/51

Hesse wollte ins Kino gehen
da bekam er einen Anruf,
von Herrn Süsskind
das Kino ist ab heute geschlossen
ab heute keine Kinotermine mehr
keine Fotos an den Wänden
Ende der Vorstellung
aus und vorbei
man hatte dem Vorführer Süsskind
gekündigt
und Hesse konnte nur vermuten
Süsskind hatte seine Arbeit gut gemacht
aber was wusste Robert Hesse schon?

2400/ Böll

und Böll ging ins Tivoli
und dort fand er Schutt und Asche
eine Baustelle
ein leerstehendes Gebäude
ein ehemaliges Kino
mit 4000 Plätzen
alles im Dunkeln liegend
stinkend und voller Staub
und irgendwo wohnen da noch
drei Familien im Anbei
im verschachtelten Vergnügungszentrum
der 50er Jahre
1927 hatte Willi Braune das Kino eröffnet
Böll hatte seine Kamera vergessen
er würde wieder kommen müssen

2399/44 Grass

Grass lag im Gras
dann stand er auf und sprach
ich habe nichts gefunden
im Gras
und auf dieser Erde
ich habe nichts gefunden
dass sich lohnt mitzunehmen
langsam ging er seinen Weg
irgendwo am Wegesrand
lag eine verrostete Blechtrommel
eine alte hutzelige Frau kam ihm
entgegen
sie sah ihn an und sie erkannte,
dass er auch nicht mehr wusste als sie
"und was hat dir deine viele Schreiberei genützt?"
sie beachtete ihn nicht weiter
kniete nieder und begann zu beten
ein Heiligenschein bildete sich um ihren Kopf
und Grass dachte:
die Heiligen und die Scheinheiligen
auch ein Weg ins Paradies zu kommen
sein Atem wurde langsamer
sein Denken wurde langsamer
er spürte seine Fußsohlen
genussvoll sah auf die Landschaft


2398/ Herder

für Herder war es Zeit
sich zu rasieren
obwohl er Zeit hatte
viel Zeit
jetzt wo er in Rente war
ließ er denken
das selbst denken war ihm
zu beschwerlich geworden
sein Weg war langsamer geworden
er hatte sein Alter und seine Krankheiten
mit Gott redete er schon lange nicht mehr
Herder war schweigsam geworden
der Atem ging noch von selbst
sonst hatte er das Gefühl
immer mehr einzurosten
hier ist nichts los,
dachte er
sehr langsam erhob er sich
um sich zu rasieren
da hörte er eine Stimme von irgendwo
"Herder, hör mir zu"
Herder wusste wer da redete
sollte er mit ihm reden,
wo er sich solange nicht gemeldet hatte?
jetzt wo es bald zu Ende ging?
was konnte der Alte da oben 
ihm helfen?