Direkt zum Hauptbereich

Posts

Es werden Posts vom November, 2015 angezeigt.

2520/392 Flüchtingsdruck

der eine Mitarbeiter kam zur Arbeit
und klagte über Herzschmerzen
die andere war erkältet
sie sollte doch nach Hause gehen
wenn sie krank ist
und die junge Frau sagte:
wir müssen heute 90 Flüchtlinge unterbringen
dann erzählte sie,
dass sie am Freitag bis 19 Uhr gearbeitet hatte
und eine Kollegin sah im Protokoll,.
dass die junge Kollegin 
auch am Samstag im Büro war
ich konnte das gar nicht mit anhören
weil ich mich an meine eigene berufliche Zeit erinnerte
wo man nicht manchmal nicht wusste
wo oben und unten ist
wo man mit Nackenschmerzen und Kopfschmerzen
zur Arbeit ging
es gibt ja Aspirin
und irgendwann schwächelte das Herz
man kam nicht mehr zur Ruhe
fand keinen richtigen Schlaf
nachmittags um 15 Uhr fragte der Chef
nach der jungen Kollegin
und es wurde geantwortet
die hat jetzt endlich Zeit gefunden Mittag zu machen

2519/289 Ariel

die zauberhafte und wunderschöne Ariel
wusste nicht, ob sie es wirklich mit ihm wollte
es war reizvoll es mit ihm zu tun
man würde sie ansehen
sie würde gesehen werden
aber andererseits war sie sich unsicher
sollte sie sich wirklich
mit diesen Leuten zusammentun
konnte sie diesen Leuten vertrauen
sie wollte es
aber sie hatte auch Angst,
dass sie nicht richtig kam
dass ihr der Höhepunkt versagt blieb
er wohnte in einem interessanten Haus
seine Eltern waren stadtbekannt
sie hatten einen guten Ruf
aber Ariel hatte auch einen Ruf zu verlieren
wenn sie sich nun einfach hingab
irgendwo fehlte ihr die Lust
auf diesen Mann
vielleicht lag es ja auch an Richard,
der ihr nie gezeigt hatte,
dass er sie begehrte,
dass er sie wunderschön fand
andere Männer lagen ihr zu Füßen
Richard aber blieb kühl und distanziert
ließ sich Zeit
zuviel Zeit
er wirkte kontrolliert
nun plötzlich wollte er mit ihr zusammenziehen
was wollte dieser Mann von ihr
gut, er hatte ein Haus..?


2517/210 das einfachste und stärkste Lob

ich hatte für die Fotoausstellung
schon einiges an Lob bekommen
von meinem Ansprechpartner
bei der Polizei
vom Leiter der Landkreisredaktion
von der Ortsbürgermeisterin von Langen
von der Pastorin in Bederkesa
von einer Frau aus dem Libanon
von verschiedenen Asylbewerberinnen
von einer Migrantin aus Afghanistan
und nun von einer/meiner älteren Nachbarin
die mir heute Morgen sagte:
wir haben ihre Ausstellung angeschaut
und ich fand ihre Bilder  beeindruckend
das war das stärkste Lob

2516/205 keine Zeit

achtsam und langsam leben
das können die Mönche im Kloster
die haben Zeit
ich muss funktionieren
ich habe einen verantwortungsvollen Job
mein Tag ist voll mit Terminen
und Begegnungen
ich sitze im Hamsterrad
und muss diszipliniert Dinge abarbeiten
ich muss funktionieren
wie es mir dabei geht
interessiert niemanden
machen Sie mal ein freundliches Gesicht
oder gefällt ihnen ihre Arbeit nicht?
die Berge auf dem Schreibtisch werden größer
die Rückstände wachsen
gerade nach dem Urlaub
Kopf hoch das wird schon
manchmal wünsche ich mir einfach nur Zeit
wer Zeit hat ist König

2515/204 Zeitvergeudung

Ogston fragte sich,
geht es darum Dinge zu erledigen
sich am Außen zu orientieren
oder geht es darum
sich am eigenen Körper
an den eigenen Bedürfnissen
und Befindlichkeiten zu orientieren?
sollte Ogston Leistungen zeigen
oder gut für sich sorgen?
es war schwer für ihn
herauszufinden was gut für ihn war
Dinge mussten getan und erledigt werden
und sich immer wieder auf seinen Atem
zu konzentrieren
Gehmeditationen zu machen
erschienen ihm albern
Zeitvergeudung
in der vergangenen Woche hatte er es mit langsam
versucht
Logston hatte versucht alles in Ruhe und langsam
zu machen
das hatte ihm gut getan
Logston hatte Angst, dass wenn er es wirklich
langsamer und achtsamer machte,
dass er nichts mehr auf die Reihe bekam

2514/283

der Vater hatte eine Firma gehabt
hatte sie aber versoffen
die Mutter war bösartig
so wurde erzählt
es wurde alles nur erzählt
einer stieß sein Kind die Treppe runter
einer zahlte nicht für seine Kinder
eine wunderbare Familie
schließlich war Mutter dood
und es ging ans Geld verteilen
die Kinder taten das
was sie immer taten
sie stritten sich
und als der Bruder sagte:
gib mir deine Bankverbindung
du kriegst noch eine fünfstellige Summe
schrie sie: nein, die kriegst du nicht

2513/239 geht doch nach Russland

einige ehemalige Mitglieder des Warschauer Paktes
wie Polen, Tschechei, Slowakei u.a.
die keine Asylbewerber aufnehmen
sie waren geil auf die Gelder der EU
sie haben ihr Geld bekommen
vorbei ist die Solidarität
purer Egoismus
schickt sie zurück nach Russland
geht doch nach Russland!
und die Polen werden sich freuen,
wenn die Russen wieder an ihrer Grenze stehen
oder bei ihnen einmarschieren
man kann nicht nur haben wollen
man muss auch geben
Polen ein katholisches Land
pfui Teufel
was hat das mit Christentum zu tun?
geht doch nach Russland

2509/115 vergiss es Riven

vergiss die Idee eines Fotoprojekts
auf der Lloydwerft
da wird nichts von
viel zu aufregend, anstrengend, stressig
zu gefährlich auf der Werft
oder im Schwimmdock
zu anspruchsvoll
das ist was für einen Profi
und natürlich wird da einer gebraucht,
der mit seiner Spiegelreflexkamera kommt
und richtige, große Farbaufnahmen macht
Hochglanz und Werbeprospekt
vergiss es Riven
das ist paranoid

2508/85 Lloydwerft Bremerhaven

was man so aus der NZ erfährt
soll die Lloydwerft fünf Luxusschiffe bauen
und zwar zusammen mit einem asiatischen Investor,
der mit 50% bzw 70% einsteigt
es gibt schon Verträge,
diese sind aber noch nicht rechtsgültig
weil noch gewisse Bedingungen erfüllt sein müssen
z.B. die Sanierung der Bananenkaje
die Beschaffung eines XXL-Docks
und so weiter
nach meinem Verständnis haben dann die Asiaten
dort das Sagen
auf ihrer Homepage hält sich die Lloydwerft
auch zunächst noch zurück
mal angenommen, dass es keine Luftblase bleibt
sondern, dass die Lloydwerft wirklich drei 
Luxuskreuzfahrtschiffe baut
und diese zwei erwähnten Flussfahrtschiffe
dann wäre das toll
die IG-Metall fordert die Erhöhung der Stammbelegschaft
und nicht, dass die Aufträge mit Leiharbeitern 
abgewickelt werden
Immerhin wurden in der Vergangenheit schon 
Grundstücksgesellschaft und Personalverwaltung
getrennt, um bei den Personalkosten zu sparen
verständlich, aber ..
solch ein Projekt wie den Bau eines Kreuzfahrtschiffes
in Bremerhaven fotografisch…

2507/221 Fotoausstellungen

- am 21. Juni 2013 wurde meine Fotoausstellung
über den Bau des Geschäftshauses Betreuungsverein
in der Stedinger Straße 2 eröffnet
die Fotoausstellung hängt seit über zwei
Jahren dort
- am 21.März 2014 wurde im Maria-von Seggern-Heim
  meine Fotoausstellung (DINA4) "Leben wie ich es will"
  SW-Portraits von Bewohnern eröffnet
  hängt immer noch
  die Ausstellung wurde später durch sechs großformatige
  SW-Fotos im Ess-Saal ergänzt
- am 21. Juni 2015 wurde in der Villa des afz meine
  Fotoausstellung "Mit allen Sinnen" 24 großformatige
  SW-Fotos über die Arbeit der Familienbildungseinrichtung
  eröffnet (60 x 80c, und 40 x 60 cm)
- am 18. September 2015 wurden in Bederkesa
  beim Fest der Kulturen in der Jugendhilfestation des DPWV
  11 großformatige SW-Fotos von mir gezeigt
  "Gimme shelter- Flüchtlinge in Geestland
   (vorher NZ-Artikel)
- am 23. November 2015 wurde meine Fotoausstellung
  "Flüchtingen in Geestland" mit 19 großformatigen SW-
  Fotos im Rathaus Langen f…

2506/159

Lucie stammte aus Italien
aus einer armen Familien
die Mutter sollte psychisch krank sein
ein Bauer hatte sie aus der Toskana
im VW-Bus mitgenommen
bis nach Friedland
dort lernte sie einen jungen Mann kennen,
der das gleiche Problem hatte wie sie
sie zogen zusammen und fortan waren sie sich einig
sie wohnten zurückgezogen in einer Burg
niemand ging ans Telefon
und niemand öffnete die Tür
sie bekamen keinen Besuch
und sie wollten keinen Besuch
wenn Lucie dann doch mal unterwegs war
mit anderen Menschen
redete sie schnell
als müsste sie vor sich flüchten
als könne jemand erkennen
wer sie wirklich war
Lucie sprach schnell und was sie sagte
war wenig zu verstehen,
es wirkte oberflächlich und wenig durchdacht
es war schnell und unpersönlich
Lucie ging keiner Arbeit nach
sie lebte Zuhause

2505/ die Lehrerin

manchmal  musste die alte Lehrerin
noch an ihren jungen Kollegen denken
mit dem sie sich gut verstanden hatte
der ihr geholfen hatte
bei der Theatergruppe
er hatte nichts von ihr gewollt
dass  hatte sie gespürt
sie hatte seinen schönen Arsch gesehen
und sie mochte seine spontane Art
seine spritzige Art
sein Temperament
auf eine gewisse Art
war er sogar ihr Typ gewesen
sie hätte Abdul gerne mal in den Arm genommen
aber sie hatte das Gefühl,
dass er das nicht wollte
Abdul war verheiratet und hatte zwei Kinder
Abdul hätte ihr Enkel sein können
aber die Lehrerin dachte an ihn
hatte sie sich jünger gefühlt in seiner Gegenwart?
sie wusste es nicht

2504/ Tenner

Tenners Leben war eine gerade Straße gewesen
wie auf einer Eisenbahnstrecke
immer gerade aus
ohne Probleme größerer Art
dann wurden die Widerstände unüberwindlich
die Ängste waren nicht mehr zu beherrschen
und Tenner scheiterte auf der Arbeit
und später in der Liebe
Tenner war auf dem Grund angelegt
ohne groß zu wissen
was er falsch gemacht hatte
konnte er sich ändern?
musste er etwas ändern?
Tenner musste wieder von unten anfangen
sich aufbauen
und sich Selbstbewusstsein erarbeiten
lernen sich zu akzeptieren
und doch an sich arbeiten
Menschen ändern sich nicht
Menschen ändern sich ungern
und nur langsam
Tenners Leben wurde schwerer
Tenners Leben wurde zum täglichen Kampf
aber er lernte auch die Momente des Glücks
zu genießen

2503/ der Lehrmeister

Miriam kam manchmal der Glaube abhanden
der Glaube an das Richtige
an das Wahrhaftige
sie betete schon lange nicht mehr
dennoch glaubte sie,
dass ihr Lebensweg geradeaus gehen müsste
und das funktionierte bei ihr nicht
Miriam wünschte sich
ihr Leben zu kontrollieren
unausgesprochen
aber es gab immer wieder Überraschungen
der bösen und der guten Art
plötzliche Wendungen hatten ihr Leben
zum Zickzackkurs gemacht
zur Achterbahn
sie war gestürzt
und auch wieder aufgestanden
mit Schmerzen
wieder aufgestanden
sie wünschte sich Frieden
aber nicht mal den bescherte ihr das Leben
das Leben hatte sich als grausamer Lehrmeister
gezeigt
der jeden Fehler bestrafte

2502/ Hoffnung

Margarete freute sich darüber,
dass sie wenig um die Ohren hatte
Margarete mochte es
wenn sie sich treiben lassen konnte
aber sie brauchte auch die Hoffnung
darauf,
dass es wieder etwas zu tun gab
dass sie wieder gebraucht wurde
und sich beweisen konnte
dass sie wieder Anerkennung bekam
der nächste Termin in einer Woche
sie freute sich

2501/49 Andre Herzberg: Alle Nähe fern ***

es handelt sich um die Geschichte
einer jüdischen Familie
der Autor schreibt,
als hätte er Fotos angeschaut und 
danach seine Geschichte geschrieben
sie wirkt zunächst hölzern und trocken
aus der Ferne und unlebendig
später während der Zeit der Naziherrschaft
kommen mehr Gefühle auf
er hat die Geschichte für sich aufgeschrieben
um zu klären, woher er kommt
aber reicht das auch für andere?

2500/480 die Liebe

an diesem Morgen war die alte Staudenmeier
müde
sie hatte nicht genug geschlafen
war es die Verdauung, war es die Aufregung
sie wusste es nicht
abends konnte sie lange nicht einschlafen
aber sie wollte auch nicht aufstehen
später kam ihr Mann ins Bett
und sie schlief endlich ein
vielleicht war der Film Schuld
eine ältere Frau ist mit einem jungen Mann
zusammen, er ist zwanzig Jahre älter
sie haben guten Sex
aber sie hat einen guten Job
und bei ihr bleiben Zweifel
sie kann nicht zu ihm stehen
sie trennen sich
nach fünf Jahren geht die Liebe weiter
zwischendurch schwängert er eine andere
aber ihre Liebe geht weiter
ihre Liebe geht immer weiter
mit zwanzig Jahren Unterschied
die Liebe seines Lebens 
und ihre auch
Liebe kennt keine Gesetze
und keine Regeln

2499/404 süße 60

Sputnik hat mir viel aus ihrer Kindheit erzählt
wie das so war auf dem Lande
die Jungs  schraubten auf dem Hof
Tante Helga saß im Garten und arbeitete
Tante Käthe mischte sich überall ein
Marianne sammelte die Familie um sich
und stand in der Küche und kochte
mit sechs Geschwistern und drei Müttern
naja, fast
es gab auch noch Kurt
der legte sich gerne Mittags hin
Gott wäre mir der sympathisch gewesen
Macjokiel waren Selbstversorger
mit Gemüsegarten, Obstbäumen,
Schweinen und Enten
Sputnik liebte die kleinen Schweine
die mochten keinen Stress
waren aber schlau
irgendwann war für Schwiegermutter klar
sie musste in den Schweinestall
Jule, die Sau, war unruhig und röhte
Zeit für den Eber im Nachbardorf
Marianne ließ die Sau raus
und schwups rannte Jule auf die Straße
schlau lief sie auf der linken Seite
dem Verkehr entgegen
Marianne mit Stock hinterher
die scharfe Jule aber kannte den Weg
zum Eber...

mit Marianne reden ich manchmal
da oben im Himmel..

Jule ist lange tot
Sputnik aber lebt
Samstag morgen lobt sie mich wege…

2498/361 alles was wir denken...

manchmal passieren Dinge
von denen man träumte und doch glaubte,
dass sie nicht wirklich passieren
denn nach der schönen Fotoausstellung
im Rathaus Langen sollte Schluss sein
nun hat sich entwickelt,
dass ich in einem Pflegeheim eine Fotogalerie
zum Thema Bremerhaven machen darf
in diesem Monat geht es noch los
und eine Fotoausstellung im Stadthaus
zum Thema "Bremerhaven im Wandel"
großformatige SW-Fotos von mir
das gefällt mir gut
nur eines nach dem anderen
erst das Pflegeheim im Dezember
danach vorbereitende Gespräche mit dem Zuständigen
der Stadt
schauen wir mal


2497/201 Erwartungen

Tom hatte den Kopf voll
das war schlecht
es waren seine Erwartungen und Wünsche
er versuchte sich zu konzentrieren
Tom konzentrierte sich auf seinen Atem
und er versuchte sich langsamer zu bewegen
Tom versuchte langsamer zu werden
wieder zu landen
loszulassen
und zu atmen
und loszulassen
und langsamer zu werden
schwer, echt schwer, redete er 
laut vor sich hin

2496/190 Demut

zwei Fotoprojekte in Planung das ist toll
allerdings für mich zuviel Aufregung
zuviel im Kopf
erstmal eine 23 minütige Meditation machen
langsam wieder runterschalten
sich in Demut und Bescheidenheit üben
heute morgen will ich erstmal
ins Krankenhaus und meine Mutter besuchen
atmen, entspannen
ruhig atmen
versuchen loszulassen
einfach nur loslassen
und mich in Geduld üben
ich bin ein ganz schrecklich Ungeduldiger

2494/1074 Absolution

abends geht mein Handy
und sie ruft an
und erzählt mir,
dass sie sich am Montag
meine Fotoausstellung
über Flüchtlinge angeschaut hat
und sie fand die Ausstellung sehr gut
das ist ein Lob aus der richtigen Ecke
von jemand, die es beurteilen kann
die Frau aus Syrien
die mir die Absolution gegeben hat
für mein Anliegen

2492/1060 am Zaun

ich finde es gut,
dass die Balkanstaaten da unten
nicht mehr jeden durchlassen
dass sie die Schwelle anheben
in der Hoffnung, 
dass der Flüchtlingsstrom abebbt
sie lassen nur noch Flüchtlinge
aus Syrien, Afghanistan und dem Irak durch
diejenigen, die  auch eine Chance haben
es ist richtig so
und es gibt den anderen nicht das Recht
Grenzzäune einzureißen
und mit Steinen auf Polizisten zu werfen
Europa muss seine Grenze schließen und sichern
notfalls mit Gewalt und allem technischen Aufwand
die Flüchtlingszahlen müssen gesenkt werden
auch wenn wir danach die bösen Deutschen sind
die Gelassenheit von Frau Merkel nützt uns nichts
man hat ja gesehen,
dass auch Terroristen ins Land kommen
es geht aber vor allem um die hohe Zahl
die Belastung für Deutschland
dass hier 280.000 Ausländer unregistriert
herumlaufen geh gar nicht
den Flüchtlingen da unten in Mazedonien
und so weiter kann man nur sagen:
geht nach Hause!

2491/1058 der Sprengstoffgürtel

an diesem Morgen klingelte es an der Tür
nachdem ich geöffnet hatte
kam die vertraute Paketbotin von DHL
die Treppe herauf
und ich fragte:
bringen Sie mir meinen Sprengstoffgürtel?
jedes Mal wenn ich ein Paket bekomme
frage ich mich,
ob da eine Bombe drin ist
das erzählte ich meiner Frau,
die daraufhin meinte
wenn sie im Bus sitzt
und einer einsteigt
schätzt sie ab, ob das ein Terrorist
sein könnte

2490/976 Mama sein

im Supermarkt unterwegs beim Einkaufen
vor mir geht eine junge Mutter
mit ihren beiden Kindern
die Tochter träumt vor sich hin
und spricht mit einem Weihnachtsmann
im Regal
ich stehe da und warte,
dass ich durchgelassen werde
die Mutter interveniert freundlicherweise
ich hätte auch links herum gehen können
die Süße wacht auf
ich gehe weiter
später denke ich:
Mama sein ist bestimmt ein schwerer Job
und das wollte ich der Frau auch sagen
hat sich aber nicht ergeben

2489/920 der Regenbogen

und heute Mittag auf dem Rückweg
aus dem Auto heraus
entdeckte ich auf der Stresemannstraße
einen Regenbogen
einen schillernden Regenbogen
und ich fuhr weiter
es begann zu regnen
und immer größer wurde der wunderschöne
Regenbogen
er zog sich von links nach rechts
hing über dem roten Ami-Hospital
und ich dachte:
anhalten, rausspringen, Kamera im Anschlag
alles anhalten
diesen einen Augenblick festhalten
bunter Regenbogen über Hospital
so aber habe ich es genossen
wielange ist es her,
dass ich einen Regenbogen sah?

2487/538 arische Herrenmenschen

die meisten Emotionen kommen hoch
kommen bei mir hoch
wenn es um den deutschen Faschismus geht
dann kochen die Emotionen
dann kommt der Hass auf den Tisch
dann kotzt er über den Tisch
es sind solche abgrundtiefen Verbrechen begangen
worden von Deutschen, von Nazis
von Faschisten
das mir jegliche Worte fehlen
der Blutdruck geht nach oben
und wenn solche Filme laufen
abends- kann ich danach garantiert
nicht schlafen
die Grauen und Greuel der KZs sind
unvorstellbar barbarisch, so unmenschlich
bar jeder Moral
die Kriegsverbrechen, die die Herrenmenschen
im Osten, in Polen und Russland angerichtet haben
kennen kein Maß 
es ging um systematische Auslöschung
des jüdischen Volkes und der sog. minderwertigen Rassen
gemeint waren vor allem die Russen
die systematische, industriemässige Vernichtung
anderer Völker und Rassen war beispiellos
aber den arischen Herrenmenschen in Uniform
war alles erlaubt
sie hatten die Lizenz zum Morden

2486/532 der Hering

unser Vater hatte eine Werkstatt im Keller
dort bastelte und tüftelte er gerne
einen von uns nahm er mit
er brauchte jemanden, der ihm half
weil mit einem Arm war das schwierig
etwas halten, oder anpacken
oder in den Schraubstock einpassen
ich machte das gerne
und auch nicht
ich habe zwei linke Hände
und so war das nicht mein Ding
geholfen habe ich ihm trotzdem gerne
wir waren dann zu zweit
und es gab eine gewisse Nähe
wenn auch nur zweckgebunden
aber stolz war ich wohl trotzdem
weil eines Tages sagte ich zu meinem Vater:
"Vati, du bist der Meister, und ich bin der Hering"

2483/446 Lebenselexier

Paul musste an die all die schöne Musik denken,
die ihm in den letzten 50 Jahren
sein Leben schön, liebenswert und reizvoll gemacht hatte
damals mit Gaggi in Sandstedt
beim Camping
hatten sie Radio Luxembourg gehört
und er  erinnerte sich genau an den ersten
Kracher, der ihm unter die Haut gegangen war
Surf city you we can- von den Beachboys
das war wie ein Erwachen gewesen
später hatte ihn ein Stück von den Dave-Clark-Five
völlig vom Hocker geholt 
und noch heute rockte er damit
"Glad all over"
Musik war immer wieder sein Lebenselexier
und dann kamen Supertramp
mit dem Logical song
und er war mit Greta in Frankreich
es war das Lebensgefühl einer ganzen Generation
es war das, wenn man nach Italien fährt
irgendwann später hörte er zum zweiten Mal
Stücke von Queen:
we will rock you
und das war dann das Absolute
Queen ging ihm unter die Haut
Queen machte ihn lebendig
aber auch leise, melancholische Lieder wie
das schönste Liebeslied der Popgeschichte
von Billy Joel: she is allways a women
bewegten ihn tief

2482/428 dankbar sein

und die schöne Henriette sagte
in dem Film weise:
Dankbarkeit ist die Mutter aller Tugenden
wie wahr
wir wollen dankbar sein
für das was wir haben
ich will dankbar sein,
dass ich nicht mehr arbeiten muss
dass ich gesund bin
dass wir gesund sind
dass wir eine liebevolle Beziehung
und eine schöne Wohnung haben
dankbar sein
für das was ist

2480/1075 Luther

an diesem Tag schlug Luther
die 94 Thesen zu Wittenberg
an die Schlosskirche
er klagte an,
kritisierte,
regte sich auf,
ja, sie hatten es doch anders beschlossen
und ja, man hatte wieder nicht auf ihn gehört
also sah er sich gezwungen
wieder Mal einen Brief an die Oberen zu schreiben
es war nicht der erste Brief
den Luther an die Oberin schrieb
bald jede Woche hängte ein Brief an der Kirche
bösen Zungen behaupteten schon
Luther sei cholerisch und kleinkariert
andere meinten, er rufe um Hilfe
keiner wusste das so genau
schließlich begann er aus lauter Verzweiflung
Ablassbriefe und BMW-Aktien zu verkaufen
das Geschäft lief gut
und auch Luther ging es wieder besser


2480/1084 Maooooooooooooootsetung!!

all diese vielen Probleme,
die wir weltweit haben
wie Hunger, Flüchtlingskrise, Terror
lassen sich lösen
das wussten wir schon damals
Marx, Engels, Lenin und Stalin
hatten das Rezept:
Klassenkampf des Proletariats
wir wussten es damals besser als die Alten
wir wollten die Revolte
und wir bekamen sie
wir sollten unsere alten Jeans wieder rausholen
Völker hört die Signale,
auf zum letzten Gefecht!
eins muss klar sein:
wir sind die Avantgarde des Proletariats
auch wenn wir Studierte sind
alte 68er mit langen Bärten
gegen alle Probleme heute hilft nur eins:
der Klassenkampf des internationalen Proletariats
zusammen mit der revolutionären Sowjetunion
Marx, Engels, Lenin, Stalin, Maooooootsetung!!
riefen wir damals in Bonn auf der Rheinbrücke
und Ho Ho Hochiminh!!
damals vor über 40 Jahren
damals


2479/1044

und nach Stunden kehrt dann 
endlich Normalität ein
die Gedanken laufen wieder normal
man hat sich vom Objekt der Begierde gelöst
jedenfalls scheint es so
bis zum nächsten Anfall
der Atem ist ruhiger geworden
das Herz schlägt auch etwas ruhiger
bleibt nur noch der ehrgeizige Kopf
die Angst, die Druck macht
die Angst etwas könne schief gehen
dann bommelt wieder alles janz normal
dahin
morgen wissen wir mehr
verdammte Ungewissheit

2477/776 Müßiggang

und nach all der Aufregung
möchte Tom nur noch eines:
sich ausruhen,
abschalten, wegschalten
an was andres denken als
einfach nur noch achtsam sein
wenn das man so einfach wäre
wenn das man ginge
die Beine hochlegen und nix machen
einfach nix machen 
nichts erledigen
nix tun
nix planen
einfach nixxen

2471/70 Merkels Mitschuld

seit Monaten rede oder schreibe ich darüber
wie gefährlich es ist für den Bestand Deutschlands
dass wir offene Grenze Richtung Süden haben
dass man die Grenzen schließen
und sichern muss,
dass auch Europa die Grenzen schließen muss
und sichern
nun ist es passiert
wenn jetzt noch ein Terroranschlag in Deutschland
passiert, wird man sagen:
ja, Frau Merkel, das haben sie gut gemacht
man wird der Regierung und Merkel
eine Mitschuld geben
ahuja

2470/456 Aufnahmestopp für Flüchtlinge aus Nahost

der spiegel online berichtet,
dass Frankreich Deutschland auffordert
keine Flüchtlinge mehr aus Nahost aufzunehmen
drei der mutmaßlichen Attentäter von Paris
reisten als Flüchtlinge ein
und Frankreichs Premier:
wir können nicht noch mehr Flüchtlinge aufnehmen
einer der Terroristen hatte sich sogar
in Bayern registrieren lassen
Valls warnt vor Anschlägen in Deutschland
Valls: die Grenzkontrollen entscheiden über
das Schicksal von Europa
das ist leider die bittere, schmerzhafte Wahrheit
es geht so nicht weiter
Deutschland muss sich vor einem weiteren Zustrom
und damit auch dem Zugang von Terroristen schützen
auch die SPD muss endlich begreifen
und die Grünen müssen aufwachen
Frau Dr. Merkel nehmen Sie das Ruder wieder in die Hand
wachen Sie auf
und regieren sie wieder

2466/263 nichts tun

das mit dem nichts tun
ist gar nicht so einfach
heute habe sehr wenig gemacht
mich ausgeruht
den Regen draußen beobachtet
mittags war ich eine Stunde im Cafe Joyce
und ich habe immer wieder gelesen
mich beschäftigt
gedöst
geträumt?
was ist nichts tun?
wirklich nichts tun?

2464/148

mit unseren Gedanken erschaffen wir die Welt
erschaffen unsere eigene Welt
mit unseren Gedanken gestalten wir
unsere Zukunft
unsere Gedanken gestalten die nächsten Schritte
unsere Gedanken schaffen Fantasien
und wir fliegen davon
schaffen unsere Gedanken auch 
diesen einen Augenblick?
können meine Gedanken auch ganz hier sein?
sich konzentrieren nicht auf den Regen
draußen und die Kälte,
sondern auf diesen einen gefühlten Augenblick?
wenn der Geschirrspüler läuft?
diesen einen Augenblick der Langsamkeit
der Ruhe und des Einsseins?
ich muss raus an die frische Luft,
aber es regnet..
wo bleiben meine 10.000 Schritte heute?

2463/138 früher

früher saß ich um diese Zeit
schon im Büro
hatte die Alarmanlage entschärft
unten im Haus die Fenster geöffnet
um zu lüften
und in meinem Büro Ordnung gemacht
mich das erste Mal geärgert
über die viele Arbeit,
die Anrufe auf dem AB oder Mails
ich war morgens um 6.15 Uhr aus dem Haus gegangen
hatte Schnee vom Auto gefegt,
mich ins kalte Auto gesetzt
und mich über den ersten Fahrradfahrer ohne Licht geärgert
aber das war damals
heute sitze ich allein in unserer Wohnung
und genieße die Ruhe ohne Radio
frage mich, was ich als nächstes tun werde
sitze im Sessel und lese
strecke mich und habe Zeit

2462/123 Stille Tage

es ist wieder ruhiger geworden
in meinem kleinen, bescheidenen Leben
die Vorbereitungen für die Ausstellung sind vorbei
die Gerichtsverhandlung ist überstanden
ruhige Tage in Clichy
oder wie?
heute habe ich nichts zu erledigen
dafür sagen sie Schneeregen an
zweimal am Tag Meditationen einlegen
und vielleicht am Morgen auf den Crosstrainer
ich bin seit zwei Jahren und  drei Monaten in Rente
und ich genieße es
ich werde also weiter in meinem Buch
über Claude Monet lesen
und ich könnte heute versuchen 
achtsam zu leben
soll heißen 
Konzentration auf meinen Atem
sich langsam bewegen
bewusst spüren was ich tue
die USA geben eine weltweite Terrorwarnung
für Reisende raus
in Paris findet die Müllabfuhr einen Sprenggürtel
ansonsten ist es ruhig in meinem Leben
oder geht doch Morgen die Welt unter?



2461/324 Untergangsszenarien

der junge Mann erzählte,
dass die Erde mit einem Schlag
untergehen könnte,
wenn Magnetströme von der Sonne
käme
ich dachte an andere Untergangsszenarien
man muss ja nur die Zeitung aufschlagen
und all die Unglücke, Hungersnöte an sich heranlassen
die Terrorwelle, die kriselnden Staaten überall
auf der Welt
die Klimakatastrophe
geht es mit der Menschheit zu Ende?

2460/220 Muße

während er im Sessel saß,
hatte er das Gefühl 
dass dieser Tag
seine Zeit ohne Ende war
dass dieser schöne Augenblick
des Nichtstun immer weiter ginge
er hatte nichts vor
und das tat ihm gut
er konnte sich gehen lassen
den Augenblick und die Stunde genießen
eine ganze lange Weile genoss er es
er genoss die Muße
die Muße des Nichtstuns und des Lesens
von einer anderen Welt zu träumen
und das wollte er auch am kommenden Tag tun
Nichtstun, dahindösen, träumen
sich gehen lassen
einfach Sein
dasein
sein Atem ging ruhig
Luis konnte das Leben genießen
ohne Reue, ohne Pflichten

2459/ Natur

morgen habe ich nach langer Zeit
mal wirklich nichts vor,
außer Mittags am Strand spazierenzugehen,
durch den Schneesturm,
durch den Regen,
gegen den Wind
und dann gegen Mittag im Cafe Kafka
bei Tom Steenbruck und AnnaSzewczenko
zu Mittag zu essen, Goulasch oder Fisch den Rückweg nehme ich durch die Dünen
bei Schneeregen treffe ich vielleicht noch jemanden der mir das Leben erklärt oder mich sinnhaftig macht oder mit mir im Sand eine Laufmeditation macht vielleicht treffe ich einen klugen Buddhisten, der mich bekehrt vielleicht stehe ich auch einfach nur am Strand werde klitschenass und spüre das Leben den Wind, den Regen, den Schnee und das Meer

2457/166 hilflos

sie standen da ziemlich hilflos herum
an der großen, lauten Autostraße
sind es Türken, Muslime, Syrer?
vielleicht Flüchtlinge, die sich nicht auskennen
ich rufe über die Straße rüber,
ob sie Hilfe brauchen
aber es versteht mich keiner
die Jüngste, vielleicht 16 Jahre alt
kommt über die Straße,
fragt, ob ich englisch spreche
und danach sagt sie,
sie suchen den Liedlmarket
ich verstehe erst nicht,
danach schicke ich sie Richtung Süden
sie marschieren los
danach überlege ich in Ruhe
und mir fällt ein,
dass ja hier in der Nähe noch ein Lidl ist,
ich renne ihnen hinterher
mit meinem Google maps in der Hand
und versuche dem Mädchen
erneut zu erklären,
dass hier im Ort
dort hinter dem Office
gleich dahinter ein Lidl ist
oh,oh

2456/88 Jon Kabat-ZInn: Gesund durch Meditation, Knaur *****

Kabat-Zinn las ich vor zwei Jahren
und aus dem Buch habe ich noch zwei
Lehren in Erinnerung:
am Tag mindestens 45 Minuten meditieren
und er vergleicht die Disziplin,
die er von seinen Patienten verlangt
mit der Disziplin von Hochleistungssportlern
ein Athlet trainiert immer,
bei gutem und schlechtem Wetter
ob er sich gut oder schlecht fühlt
ob er Lust hat oder nicht
du musst es tun.

davon bin ich noch weit weg.

2455/619 Fotoaustellung im Rathaus von Langen

Heute Morgen ist in der NZ ein ziemlich
großer Artikel über meine Fotoaustellung
im Rathaus von Langen
auf der Seite von Geestland
ich bin sehr zufrieden und finde den Artikel gut.
Und ich freue mich, dass es für die viele Arbeit
nun endlich auch mal Anerkennung gibt.
Eigentlich bin ich ja nicht Sozialarbeiter und
auch nicht Fotograf, sondern Schriftsteller,
aber was soll es, vielleicht kommt das ja noch.

2454/599 Jule ist scharf

Es war einmal vor vielen Jahren
eine große Familie mit sechs Kindern,
die wohnte auf dem Land
man hatte ein eigenes Haus
und die beiden Tanten wohnten auch
mit im Haus
hinterm Haus wurde angebaut
besser gesagt hinterm Schweinestall
Wurst wurde selbst gemacht
man hatte Schweine
wenn die alte Sau scharf war
unsere Eltern hatten dafür einen plattdeutschen Ausdruck
wenn die Sau scharf war
lief Muttern  mit ihr ins nächste Dorf zum Eber
im Laufe der Jahre kannte
Jule unser Schwein schon den Weg
Jule lief brav auf der rechten Seite 
neben der Straße
und Mutter mit Stock hinterher
auf zum Eber

2454/573 Frieden

als Tom Steenbruck an diesem Morgen
die Tageszeitung von "la Mer" aufschlug
lachte er vor Freude,
denn sie schrieben,
dass die "Vereinte Allianz" es geschafft hatte
weltweit alle Terroristen zu beseitigen,
zu liquidieren und zu töten
ja, sagte Tom, das ist Klasse!
keinen Terror mehr,
keine Terroristen und keine Anschläge mehr
Anna kam von hinten zu ihm
und sah ihn verliebt an, "na, was ist?"
Tom: es ist Schluss mit dem Terror
die Amis, die Russen, die Chinesen, die Franzosen haben
in einer gemeinsamen weltweiten Aktion
IS, Al Kaida und den Rest erledigt
irgendwo krachte ein Sylvesterböller
Tom und Anna schauten hinaus aufs Meer
sie genossen den Frieden
sie liebten das Meer und das Rauschen
oben aus der Luft hörten sie die Möwen kreischen
Steenbruck atmete tief durch
wie schön doch ein Welt ohne Terror ist
an diesem Tag hatten sie wieder viel Besuch
im Hinterzimmer tagte die muslimische Gemeinde
und vorn im Eckbereich hatten sich Mitglieder der
jüdischen Gemeinde versammelt
ach ja, …

2453/556 teuflische Psychopathen

die Scharfschützen in Brüssel und
Hannover warten darauf,
dass sich die Ratten aus den Löchern trauen
die Richtmikrofone sind ausgefahren
die Mobilfunknetze werden überwacht
die Terroristen von Hannover
sind namentlich bekannt
und wie der Pariser Terrorist in Brüssel
heißt, weiß man  auch...
eine ganze Armee von Spitzeln,
Polizisten und Soldaten ist unterwegs
hoffen wir mal,
dass sie die Psychopathen und Teufel
bald haben

2452/543 der erste Schnee +1,3°C

wieder Zuhause mummeln wir uns warm ein
draußen tanzen die weißen Schneeflocken vorbei
wie im Schneesturm
langsam fallen sie herab
manchmal vom Sturm getrieben
es ist richtig kalt
und wir wollen nicht mehr in die Stadt
den Weihnachtsmarkt anschauen,
der morgen eröffnet wird
Sonntagnachmittag
Regen und Schnee...
gut, dass unsere Heizung läuft

2451/506 einmal zum Nordpol

Es war einmal ein Kaiserpinguin,
der nannte sich Graf de Montblanc
an einem Sonntag nachmittag
sprang er von der Geestemole
zum Lotsenhaus hin winkend
in die eiskalte Weser
neben sich das Lotsenversetzboot Visurgis
bald tauchte er auf, stellte sich auf das Wasser
und begann den Marsch über die Weser
wellenschlagend kam ihm von der Nordsee
ein Containerschiff entgegen
hupte, mach Platz
aber der Käptn hatte den Pinguin nicht gesehen
also watschelte de Montblanc weiter,
wechselte die Richtung 
und stieg in der Höhe des Loschenturmes
aus der Weser, plattschnass
schüttelte sich und schrie:
ich bin der Graf von Montechristo
äh der Graf de Montblanc
ärgerlich pisste er gegen den Turm
kaufte sich ein Fischbrötchen
und ein paar Pommes
und äh sprang er wieder in sein kaltes Element
einmal zum Nordpol!
schrie er, als der Bus vorbei kam

2450/478

als Graf de Montblanc unterwegs war
traf er die Gräfin vom Füllfederhalter zur
blauen Tintenpatrone mit goldener Feder
und Graf Frederic de Montblanc sagte
leise in den Wind der Nordsee:
verehrte Gräfin, mein Kolben liegt ihnen zu Füßen,
worauf die Gräfin mit dem goldenen Dekollete
zu singen begann
Graf de Montblanc ging weiter zum Weserdeich
grüßte die US-Drohne am Himmel
schlug mit einem kurzen Haken
Doktor Umständlich nieder
schaute aufs Wasser um gleich darauf
den Professore Chocolata per Handschlag
und seinen Bruder Professor Chung per Fußtritt
zu grüßen
hinter ihm ging die Gräfin von der trockenen Pflaume
zu den Bäumen und auf den Bäumen
rauher Nordseewind schlug ihnen entgegen
es regnete und schneite wie Weihnachten
Professor Montblanc warf seinen Morgenmantel ab,
zeigte seinen fetten Bauch und sprang
nackt in die Weser bei +2°C
Gräfin von der Pflaume und auf den Bäumen schrie
Professore, nun kann uns nur noch ein Stück
Schokolade retten!
ein Pelikan in einem Parker schwamm vorbei
und endlich begriff der…

2449/407

ein ruhiger, sonniger Sonntag
schön, mal einen Tag
nicht an Bomben und Terror zu denken
dachte Doktor Umständlich,
als in diesem Augenblick
eine fliegende Untertasse vorbei flog
er atmete ruhig weiter
und identifizierte das Gerät als Drohne
als MQ-9 eine US-Drohne
was wollten die Amis von ihm?
aber die Drohne flog weiter



2448/404 Borderline

die Professorin der Literatur 
schnökerte seit Jahren in Bücher
und in Schokolade
Schokolade war ihre Leidenschaft
ihre Sucht und ihr Vergnügen
ihre Zahnärztin schimpfte mit ihr
und ihr Hausarzt schimpfte
wegen ihrem Übergewicht
aber da sie an Borderline-Störung litt
hatten die Ärzte andere Sorgen
solange sie brav ihre Tabletten einnahm
und klar im Kopf war
ihrer wichtigen Arbeit an der Uni nachging
wollte man ihr die Freude lassen
und mit dem Sex?
über Sex sprach Professorin Fabienne nicht
sie hatte ihre Freundin
ihre Familie, das reichte
die il Professore würde irgendwann platzen
wie eine Bombe

2447/238 der Professore jammert

der Professore klagte über Rückenschmerzen
Kreuzschmerzen
er ging zur Massage
das war schön
und er hat ein Rezept für Reha-Sport
aber er bewegte sich nicht
saß im Auto, saß am Schreibtisch
machte keinen Sport
machte alles mit dem Auto
keine Spaziergänge
kein Sport
keine 10.000 Schritte
der Professore müsste sich wenigstens bewegen
Spaziergänge machen
seinen Lebenswandel ändern
seine Gewohnheiten
aber der Professore will jammern
und nichts ändern

2446/132 Professore Chung

der Mann, der zaubern und hexen 
konnte,
der durch Türen gehen
und fliegen konnte
der Mann mit den magischen Fähigkeiten
stand an diesem Morgen auf dem Balkon
Professor Chang
Professore der Magie und der schwarzen Kunst
mit Lehrstuhl  an der Uni Venedig
stand auf dem Balkon
seines alten Hauses und fror
Merda! schrie er
dann schickte er einen Zauberspruch
gegen die Sonne 
leise knurrte er:
ich muss mich bewegen
ich muss mich quälen
los, Professore, auf den Crosstrainer

2445/80

aus seinem Fenster beobachtet
der Professor wie die Wolken glühen
angestrahlt von der Sonne
und wie die Sonne die letzten Blätter
zum Leuchten bringt
es ist kalt, sehr kalt
der Professore beginnt seinen Tag