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Es werden Posts vom Januar, 2016 angezeigt.

2780/478 Sylt

einmal waren Tom und Anna
auf Sylt unterwegs gewesen
hatten den BMW in Hörnum abgestellt
waren zu Fuß durch die Heide gewandert
zu den Dünen
Richtung Nordsee
solch ein Weg nannte sich dann Wai
und irgendwann waren sie in einem Gebiet
angelangt
wo nur noch kleine Reet gedeckte Häuser standen
Gott, gefiel es Tom hier
und immer träumte er später davon
dort noch einmal zu sein
vielleicht eine Wohnung zu mieten
in einem Haus
zugegeben sie hatten eine Wohnung
gemietet mitten im Dünengebiet
aber weiter nördlich in Rantum
auch schön, wunderschön, ruhig
zur einen Seite sah man die Nordsee
und zur anderen Seite aus dem Fenster
das Wattenmeer Richtung Festland
und immer der Wind
und immer Natur rund herum
Heide, Sand, Dünen und Meer

2779/415 New York

ein Freund schreibt mir aus New York,
dass er dort im 50 United Nations Plaza
eine Wohnung gekauft hat
ein Luxusappartment Nr. 18a
für 7,9 Mio Dollar
279 Quadratmeter und drei Schlafzimmer
mit Blick auf das UN-Gebäude
der Eingang wird natürlich bewacht
das Foyer wurde mit Marmorboden,
Walnuswänden und Wasserfall ausgestattet.
dann habe ich Lim Chong Keat gefragt,
ob er spinnt
er schreibt, der Ausblick auf das Empire State Building,
die City und das Chrysler-Hochhaus
sowie den East River seien fantastisch
und ich habe ihm zurück geschrieben,
dass ich schon mit einer Eigentumswohnung
in St. Peter-Ording oder auf Sylt
sehr zufrieden wäre...

2778/398 von früher

sie waren mit mehreren Brüdern
und klar war,
dass der älteste Bruder das sagen hatte
darauf bestand der Vater
und die Tradition
also führte der Älteste das Restaurant
nach ein paar Jahren ging es insolvent
weil der Älteste ein guter Gastwirt
aber ein schlechter Kaufmann war
danach probierte es der zweitälteste
und nun stand er da
glücklich, zufrieden und erfolgreich
und ich sagte:
das hatte in früheren Jahrhunderten
seine Bedeutung,
dass der Älteste den Hof führte
aber in der heutigen Zeit
vieles hat sich im 20. Jahrhundert geändert
die Gleichberechtigung der Frau
dass die Kinder zur Schule gehen
lesen und schreiben können
dass die Kinder eine gute Ausbildung bekommen
vieles hat sich verändert
nur der anatolische Bauer will immer noch
sagen wo es lang geht

2777/289 virtuell

verschiedene Firmen arbeiten an Technik
für virtuelle Realität
und die Frage stellt sich
welche Realität ist wirklich und
welche Realität ist nur eingebildet
eben virtuell
ist nicht alles das
was uns die Medien servieren
über den Krieg in Syrien, Bombenattentate
eine Studie über Pediga-Anhänger
oder dass tausende unbegleitete Flüchtlinge
verschwunden sind
ist nicht alles das nur virtuell?
was gibt es wirklich
und was existiert nur in deinem Kopf
in deiner Fantasie?

2776/153 Schwerlasttransport

irgendwo in dieser Stadt
schleicht, schleppt sich ein 
Schwerlasttransport über die Straßen
Autobahnzubringer, Stresemann-Straße
Spadener Straße...
drei Rotorblätter für Windkraft 
jedes Rotorblatt ist 65 Meter lang
der ganze Transport ist 300 Meter lang
das Drehen an einer Kreuzung kann bis zu
zwei Stunden dauern, sagt die Polizei
mal fahren sie rückwärts,
mal benutzen sie die andere Fahrbahn
gigantisch und ich bin nicht dabei
uuuuhu!!

2775/137 abstrakt

in der Kunst ist die Tendenz zum Abstrakten
ausgeprägt
vielleicht hängt es damit zusammen,
dass die Welt immer irrealer, irrer,
undurchschaubarer wird
diese Welt ist nicht mehr einfach
sie ist absolut komplex, vielfältig und grausam
diese Welt ist ungerecht, digital, global
und entwickelt sich sehr schnell
unberechenbar und Ungewissheit
vielleicht widerspiegelt alles das
diese fürchterliche abstrakte Malerei
mit der normale Mensch nichts anfangen kann
eines Welt des Untergangs, der Kriege,
der Krise, des Hungers, des Terrors
sollte man sich da ins Abstrakte flüchten??

2774 Tanja

seit Jahren wohnte Tanja im Niemandsland
dort wo zwar Leute wohnen
wo man aber seine Ruhe hat
gleich da vorne lag das Meer
in seiner Unendlichkeit
Tanja hatte nun nichts mehr auszuhalten
alles schwamm dahin
als gäbe es nichts Böses
alles war unendlich weit
alles fühlte sich unendlich ruhig
und entspannt an
Tanja ging es gut
in diesem Land, wo man nicht mehr
arbeiten musste
sie musste nicht funktionieren
nicht gehorchen
sie konnte tun wozu sie Lust hatte
sie konnte nun selbst sich Arbeit ausdenken
sie konnte tun und lassen 
was sie wollte
und was wollte sie?

2773 Angst

irgendwie hatte Klaus immer Angst gehabt
dort zur Arbeit zu gehen
er hatte Angst vor den Jugendlichen gehabt
Angst gehabt sich durchzusetzen
sich zu behaupten
Klartext zu reden
auf Konfrontation zu gehen
Härte zu zeigen
er hatte es zugelassen,
dass sie ihm dem Weichei
auf der Nase tanzten
sie hatten ihm Gehorsam verweigert
weil er keine Autorität war
wie seine Kollegen
ihm hatte das nicht gelegen
er war gescheitert
und warum auch immer 
hatte er nicht den Dreh gekriegt
sich woanders zu bewerben
also wurde er krank

2772 Grauen

mit seinen Gedanken war Klaus
irgendwie immer auf der Arbeit gewesen
er konnte das nicht abstellen
er hasste das an sich
Beruhigungsmittel, joggen, Entspannungsübungen
nichts half wirklich
sonntags morgens wachte er nervös auf,
weil er am Montag arbeiten musste
weil er wieder sich anspannen musste
weil es Stress, Zeitdruck und schwierige Leute gab
Leute, die seine Ruhe störten
schon am Sonntag morgen war Klaus
nervös und angespannt
gefährdete seinen Schlaf von Sonntag auf Montag
oft schlief er schlecht 
in der Nacht von Sonntag auf Montag
das Grauen hat einen Namen:
Montag

2771 Qigong

es gibt nichts zu tun
es gibt nichts zu erledigen
die Zeit tickt dahin
und ich warte auf Jeanette
ich warte auf den Tag
mit Wind und Regen
langsam geht mein Atem
die Musik im Radio kenne ich
später möchte ich wieder
versuchen Qigong zu üben
auch wenn ich es noch nicht kann
richtig kann
es soll Gelassenheit geben
es soll gut für Gesundheit sein
es soll die Energie zum Fließen bringen
immer schon wollte ich diese schönen Bewegungen
machen können
lassen wir uns überraschen
was der Tag bringt

2770/ Kontrolle

muss ich alles messen?
muss ich alles unter Kontrolle haben?
muss ich alles aufschreiben,
fragte sich Louise Jott
sie verstand manche Dinge nicht
also schrieb sie sie auf
im Schreiben war das Verstehen größer
sie wollte gleich ihren neuen Freund wecken
ihren neuen Geliebten
so ging alles seinen Gang
langweilig war der Morgen angefangen
so ruhig war es noch nie in meinem Leben,
dachte Louise und
brühte sich noch einen Kaffee
aus dem Radio kam die übliche Musik
sie fühlte sich gut
freute sich auf Qigong und Spaziergänge
ach, wenn doch die Sonne raus käme,
sie holte tief Luft
und atmete durch
laut sagte Louisa:
hier ist nichts los

2769/473

Kafka hatte gut geschlafen
das war nicht immer so gewesen
doch nun war er da
er wollte nicht schreiben
er konnte nichts tun
außer warten
sie hatten an diesem Tag nichts vor
und Kafka hoffte auf gutes Wetter
es soll schweinekalt werden, dachte er
sie sagen auch Regen an
hoffentlich kann ich meine Wanderungen
machen
seine Lehrerin hatte ihm Übungen gezeigt
mit denen er etwas für seine Gesundheit
tun konnte
Gesundheitsvorbeugung und Gesunderhaltung
Gelassenheit und Ausgeglichenheit üben
ob das alles hilft, fragte sich Kafka
all dieser asiatische Kram

2768/373 Energie

wahrscheinlich ist es ein Placebo-Effekt,
dass mir meine Übungen,
die ich nach Qigong mache
insofern helfen,
dass ich mir einbilde
mehr Energie oder Chi zu haben
wir beobachten das weiter
morgens 20 Minuten üben
nächste Woche Mittwoch ist wieder Kursus
mit Übungsleiterin

2767/205 international

unser Chinese ist Vietnamese
unser Italiener ist Türke
mein Augenarzt ist Ägypter
sein Kollege ist aber Türke
mein Schneider ist aus dem Libanon
meine Bäckersfrau ist Deutsche
die andere Russlanddeutsche
meine Frisösin ist Türkin
meine letzte Kollegin war Afghanin
gestern traf ich einen Neurologen aus dem Iran
meine Nachbarin ist Deutsche
die andere Nachbarin ist wohl aus Polen
der neue  Nachbar ist Araber
mein Freund ist Amerikaner
eine Putzfrau im Marie ist aus Nikaragua
eine Küchenhilfe ist aus Polen
eine andere Küchenhilfe ist aus Italien
ich kenne Flüchtlinge aus Afghanistan,
Syrien, Iran, Montenegro
neben meinem Cafe Kafka
haben Pakistaner eine Pizzeria
im letzten Monat wurde mein Blog gelesen von
Amerikanern (6569)
Deutschen (2990)
Portugiesen (272)
Russen (136)
Polen (22)
Franzosen (20)
Isländern (11)
Österreichern (5)
Niederländer (5)
Brasilianer  (4)

2766/186 ein Gespenst geht um

schlimme Zeiten:
Stoiber wirft Merkel die Spaltung Deutschlands vor
hat er nicht Recht?
Frau Petry von der AfD fordert
die Schließung der Grenzen
und notfalls von der Waffe Gebrauch zu machen
hat sie nicht Recht?
bei einer Umfrage lag die AfD nun  auf Platz 3
hinter CDU und SPD
es gibt einen Rechtsruck in Deutschland
wie schon befürchtet
von dem auch Linke betroffen sind
und wer hat die Schuld?
die, die nicht genug tut
die, die Macht hat
aber auch die Träumer von den Grünen,
die Träumer und Bremser von der SPD
und all die Gutmenschen
wacht auf Verdammte dieser Erde!!
oder 
ein Gespenst geht um in Europa
das Gespenst der Flüchtlingswelle

2765/166 Mallorca

am 30. Januar ist Weltuntergang
am 30. Januar war Tag der Machtübernahme
am 30. Januar ist der Tag des Regens
und es regnete schon die ganze Nacht
und es regnete den ganzen Morgen
wo bleibt das viele Wasser?
in der Kanalisation
irgendwann hört der Regen wieder auf
kaum vorstellbar
in ganz Deutschland regnet es,
sagt Tanja,
bis auf Bayern, natürlich die wieder
so bleibt uns nur zu beten
ich stelle meine Wetter-App neu ein
Bremerhaven wolkenloser Himmel,
Sonne, Temperaturen 13°C plus
leichter Wind
zum Nachmittag hin steigen die Temperaturen
auf 23°C
Teneriffa, ich komme!
noch 110 Tage bis Mallorca!!


2764/148 Deutschland in der Krise

was auch immer die Regierung tut
es bleibt wirkungslos
weil die Flüchtlingszahlen nicht fallen
und das ist das Kriterium
die Fremdenfeindlichkeit steigt
der Druck von rechts wächst
Anschläge auf Asylbewerberheime steigen
die Regierung kriegt die Lage nicht in den Griff
weil sie herum eiert
und nicht begreifen will,
dass man die Grenzen schließen muss
wir können uns nicht auf 
Griechen, Türken, Slowenier verlassen
wir müssen selbst hart sein
auch wenn darunter der Binnenmarkt leidet
Deutschland in der Krise

2763/ die Schneiderin

die ganze Nacht hatte es gestürmt
und geregnet ohne Unterlass
und am Morgen ging es weiter
es regnete immer weiter
wie der  Weltuntergang
und es herrschte ein heftiger Wind
an rausgehen war nicht zu denken
da entschloss sich Tina K.
Schneiderin von Beruf
zu etwas Ungewöhnlichem

2762/88 der Seelotse

es war ruhig geworden im Leben
des Seelotsen
der Seelotse war von Bord gegangen
und keiner vermisste ihn
an Land angekommen ging er
langsam seines Weges
unbemerkt atmete er langsam
er schaute aufs Wasser
und merkwürdig er vermisste nicht
das was er Jahrzehnte gehabt hatte
nun lebte er von Tag zu Tag
nun lebte er von Stunde zu Stunde
das war ein anderes, ruhiges Leben
und der Seelotse genoss es
der Seelotse dankte Gott für die Ruhe
für die Behaglichkeit
für die Bequemlichkeit seines Auskommens
dass er nicht mehr arbeiten musste
draußen auf hoher See
manchmal nah am Untergang
das alles war vorbei
gemächlich floss das Leben dahin
unaufgeregt, gemütlich und schön
es gab jeden Tag etwas zu erledigen
und er hatte noch viele Bücher zum Lesen

2761/540 der Landvermesser

der Landvermesser war unterwegs gewesen
in der großen und kleinen Welt
er hatte alles vermessen
doch nun war er müde
zu seinem Gesellen sagte
an diesem Morgen:
ich bin müde des Laufens
ich bin müde des Denkens
und der junge Geselle antwortete:
lasst uns frühstücken, Herr
ruht euch aus
der Landvermesser antwortete:
ich habe gut geschlafen und geruht
ich habe alles erledigt
ich habe den Kampf gegen den Schlossherrn gewonnen
doch was nun?
soll ich dasitzen und atmen?
soll ich meine Chi-Übungen machen
wie der Mönch, den wir trafen?
der Geselle begann sein Brot zu schmieren,
schaute aus dem Fenster und meinte:
Herr, es regnet draußen wie schön




2760/336 wilde Theorie

Tiziano Terzani schreibt in seinem Buch
"Fliegen ohne Flügel"
eine Reise zu Asiens Mysterien
darüber, wie der westliche Kapitalismus
in vielen asiatischen Staaten
die alte Kultur und Religion zerstört hat
der Vormarsch von Coca Cola, Rock,
Jeans, Iphone, Mac Donalds usw.
im 19. und 20. Jahrhundert hat der 
Kolonialismus Afrika, Latein-Amerika
und Asien ausgeraubt und ausgeplündert
später in den 60 er Jahren wurde dann
auf neokolonialistische Weise vom Westen
die 3. Welt ausgeplündert und befriedet
darunter sicherlich auch islamische Länder
wie Saudi-Arabien, Afghanistan, Nordafrika
nun frage ich mich,
ob nicht der islamistische Terror seit den 90er Jahren
ein Reflex auf das Vordringen kapitalistischer Ideologie
und westlicher Kultur dort ist
viele islamische Länder verharrten ja noch
in feudalistischem Denken
wilder Theorie ohne Beweis, ich weiß
aber die Frage darf doch erlaubt sein
wieweit der Westen an der Entstehung solcher
Gruppierungen beteiligt war
wenn auch nicht beabsichtigt

2757/246 Toms Geschichte

damals war alles ganz anders
Familien waren nach dem Krieg ärmer
sein Vater war Kaufmann gewesen
in Geestemünde
so erzählte man Tom
Tom hatte seine Großeltern väterlicherseits
nie kennengelernt
sie hatten sich wohl im Krieg verpisst
sein Vater hatte fünf Geschwister gehabt
auf manchen alten SW-Fotos sah man
seinen Vater mit seinen Brüdern 
Hans-Werner und Egon
Hans-Werner fiel in Russland
und Egon ging auf einem Fischdampfer
über Bord
von Hans-Werner hing noch lange ein Bild
im Wohnzimmer über dem Ofen
die beiden Schwestern
eine starb nach dem Krieg an Tbc
und die andere war nervenkrank
letztere besuchten Tom und sein Vater
alle paar Monate
Tom Steenbruck erinnerte sich an seine Kindheit
es war arm und streng zugegangen
als gäbe es keinen Spaß im Leben
es gab keine Bücher Zuhause
und es war eng
Tom musste sich mit seinem Bruder
ein Zimmer teilen
dass eigentlich das Schlafzimmer war
die Eltern klappten im Wohnzimmer
die Doppelbettcouch aus


2756/236 der Nachbar

Tom Steenbruck schrie nach hinten
zum Schriftsteller Roth:
Gerhard, ich komme gleich
Kaffee kommt
und aus den Augenwinkeln
sah Tom, dass dort noch jemand saß
ein paar Minuten später setzte er sich
zu Roth und seinem Tischnachbarn
stellte Kaffee mit Milch auf den Tisch
Roth hörte seinem Nachbarn aufmerksam zu
und der Nachbar mit Namen Tim
erzählte aus seinem Leben
als Alkoholiker
und die Lehren, die er gezogen hatte
dabei sprach er wie ein Pastor...
von gestern und vorgestern
als sei sein Leben schon vorbei
Tom schmunzelte... er kannte das

2755/164 Anna eifersüchtig

an diesem Morgen stürmte es stark
vom Meer her und die Luftfeuchtigkeit betrug mehr als 80% der Wind blies den Sand vor sich her Tom fand es ungemütlich in seiner Holzbaracke irgendwo schrien die Seemöwen und aus dem Wasser stieg eine Nixe merkwürdig, dachte Tom, ich habe doch nichts bestellt hinter ihm stand die schöne Anna eifersüchtig wie immer und leise drohte sie ihm: wenn du sie auch nur einen Moment lang anschaust, schneide ich dir deinen Pimmel ab laut lachend ging sie nach hinten Tom schaute ihr hinterher und er wusste: keine Frau hatte eine so atemberaubende Figur wie Anna
watschelnd näherte sich ein Pinguin
der Holzbaracke
und von hinten schrie der Schriftsteller:
"Tom, wann kriege ich meinen Kaffee?"

2754/148 Qigong

an diesem Morgen hatte Til Sander
zum ersten Mal eigenständig
versucht Qigong zu praktizieren
er hatte sich den Text auf sein Smartphone
gesprochen und ließ das Diktat ablaufen
bemühte sich die Übungen
korrekt auszuführen
was natürlich nicht gelang
aber er verspürte eine gewisse Ruhe
Tim würde Geduld haben müssen
später würde es klappen
später am Morgen merkte er
oder bildete er sich das nur ein?
dass er viel Energie hatte
ach, das kam weil er gut geschlafen hatte
acht das kam von den 12.000 Schritten gestern
nun  Tim Sander würde es beobachten

2753/91 Situation

trotz der hektischen Aktivitäten der Regierung
und des Versuchs die Koalition
zusammenzuhalten
Einigkeit zu demonstrieren
sind die Flüchtlingszahlen nach wie vor
viel zu hoch
und die Kapazitäten der Kommunen erschöpft
viele gehen am Stock
allen voran die Helfer und die Polizisten
das Asylrecht zu verschärfen ist gut
aber gut gebrüllt Löwe ist zuwenig
was passiert tatsächlich
die Nachbarländer Richtung Balkan
schließen nach und nach die Grenzen
Griechenland eiert immer noch herum
irgendwelche Irren meinen, sie müssen
da unten im Mittelmeer Menschen retten
holt sie da weg
holt die Journalisten dort weg
Europa sichert seine Grenzen
und schickt die Flüchtlinge zurück
wir können nicht die Welt retten
zumal wenn Deutschland alleine steht
es ist sicherlich traurig und schmerzhaft
aber Deutschland muss sich schützen
es kommen zu viele nicht nur aus Not,
sondern weil sie Wohlstand wollen 
und man muss sortieren und zurückschicken
es nützt nichts

2752/60 Pensionär

der alte Pensionär freute sich
darüber,
dass er nach drei Jahren endlich die Klage
gewonnen hatte
er hatte sich aufs Land zurückgezogen
mit seiner Frau
die noch arbeiten ging
ein ruhiges Leben
Spaziergänge und ausruhen
Gänge zum Bäcker und zur Post
der Pensionär war zufrieden mit seinem
Leben
es war weniger geworden aber wertvoller
ab und zu besuchte er seine Mutter
im Altenpflegeheim
mittags aß er unten  am Strand
bei Tom Steenbruck im Cafe Joyce
dort traf er Bekannte
der Schlaf war besser geworden
und er hatte ein Buch zum Lesen

2751/ der Beamte

wie wohl wahr
mit dem älter werden ändert sich
das was man nicht will
dachte der Beamte
Mann reißt keine Bäume mehr aus
der Mann war Arbeitsrichter gewesen
seine Frau war im letzten Jahr verstorben
nun sah man ihn hier und da beim Mittagessen
sitzen im Restaurant
für sich alleine
scheinbar wollte er seine Ruhe
Roger hatte ihn beobachtet


2750/421 innere Ruhe

als Tom Steenbruck an diesem Morgen
aufstand
hatte er das Gefühl,
dass es immer ruhiger wurde in seinem Leben
oder wurde er immer ruhiger
er wusste es nicht
mit dem Abstand zur alten Arbeit
wuchs auch seine innere Ruhe
aber er hatte auch seine Lebensweise geändert
an diesem Morgen wollte er versuchen
Qigong zu üben
er hatte den Text der Leiterin
auf sein Iphone gesprochen

2749/327 total

Politik wird immer komplexer,
komplizierter und schwieriger
Ursache und Wirkungsprinzip
funktioniert nicht
weil alles mit allem in Zusammenhang steht
die Regierung hat die Grenzen immer
noch nicht dicht gemacht
weil sie Angst um den EU-Binnenmarkt hat
zwischenzeitlich informiert unsere Presse
über neue Flüchtlingsströme
wollen die uns Angst machen
wollen die uns weich klopfen
nach dem Motto
öffnet eure Herzen
eine Zeitung interessiert sich für Sensationen
da kann schon mal die Realität bei untergehen
oder auch die Rücksicht auf den Leser
meines Erachtens sind unsere Medien
oder Teile unserer Medien manchmal
unverantwortlich in ihrer Stimmungsmache
in ihrer Sensationsgier
es knackt und knirscht in der Regierung
ich finde die Situation unübersichtlich
die Balkan-Staaten machen dicht
dann gibt es wieder neue Routen
über Bulgarien
ja, woran soll ich noch glauben?
wem soll ich noch glauben
es gilt das Totalitätsprinzip
alles steht mit allem im Zusammenhang
der Widerspruch treibt die Welt voran
sagte... Hegel oder Lenin?

2747/246 Ying und Yang

irgendwie war es nie richtig
mal war es Roger zu aufregend
dann wieder musste er sich ausruhen
danach auf zur Verabredung,
die aber langweilig blieb
mittags in Gesellschaft zuviel gegessen
danach faul abhängen
sich ausruhen,
aber schon wieder zuwenig Bewegung
was tun zwischen Ying und Yang?
Roger musste sich aufraffen
morgens der Spaziergang zum Bäcker
war sozial nützlich gewesen
der Besuch im Pflegeheim war ein 
Beitrag gewesen die Alten zu betreuen
nachmittags wollte er zum Schumacher
die Schuhe seiner Frau abholen
warum war er nicht zufrieden?
er hatte sich nützlich gemacht,
er hatte genug Geselligkeit gehabt
den dicken Bauch würde er sich ablaufen
also raus an die frische Luft
und warm anziehen

2746/ die Russen, die spinnen...

die Russen spinnen immer mehr
erst die militärischen Provokationen
dann Vereinnahme der Krim
Aggressionen und Besetzung der Ukraine
Bombardements auf der Seite Assads
Aggressionen gegen die Türkei
jetzt die Anschuldigungen gegen die Russen
die russische Regierung macht sich immer mehr
unglaubwürdig, lächerlich, unseriös

2745/114 Mobilfunknetze

für 15€ bekommt man schon
eine Allnetflat und SMS-Flate
und 1GB Datenflate
allerdings ist das Netz in meiner Gegend
wenn es nicht grade neben dem Mobilfunkmast ist
durchschnittlich ca 8 MBit schnell
dann kommt jetzt Vodafone mit Prepaid LTE
für 9,99€ im Monat
750 MB, 200 Minuten telefonieren
allerdings in meiner Gegend kann ich höchstens
mit 14 Mbit rechnen
LTE wird demnächst ausgebaut
mein Telekom-Tarif geht bis 14,4 Mbit
und kostet monatlich 15€
die Telekom gibt an,
dass ihr LTE-Netz hier bis 150 Mbit ausgebaut
ist
allerdings was soll ich mit mehr als 14,4 Mbit
um Google maps zu lese oder die Wetter-App?

2744/112 Widerstand

und dort in der Familienbildungseinrichtung,
die gut von Arbeitslosen und Familien
angenommen wurde
war man dabei die Mittel zu kürzen
oder gar nicht zu genehmigen
die Kommune hat kein Geld
und Roger dachte:
sie brauchen das Geld für die Flüchtlinge
das Wasser steht ihnen bis zum Hals
und dann deubelt der Bund ihnen noch
die Kosten und die Betreuung von
Menschen aus aller Herren Länder auf
wielange geht das wohl gut?

2743/84 Behinderte

mehrfach schon hatte Roger
alte Bücher in die Behinderten-Werkstatt
gebracht
da war keiner gewesen,
der sich zuständig fühlte
da war kein Ansprechpartner gewesen
er hatte kein Dankeschön bekommen
es hatte sich auch niemand gefreut
vielleicht hätte er dankbar sein sollen?
darüber war Roger unzufrieden
beim nächsten Mal wollte er 
eine hauptamtliche Mitarbeiterin sprechen
konnte er das verlangen?
die Behinderten hockten da irgendwo
gleichgültig und uninteressiert herum
sie wurden beschäftigt
hatten sie ihre Eltern so verwöhnt
dass sie anderen Menschen keine Aufmerksamkeit
schenken mussten
warum kam nicht einer her und fragte:
kann ich helfen?
gehörte es nicht zum Service einer Druckerei
dem Kunden Aufmerksamkeit zu schenken?

2742/471 ruhig

es war ein ruhiger Morgen
als der Pastor aufstand
nichts  war passiert
mit seinem Muskelkater ging er
durch die Wohnung und wunderte sich
hatte der Kurs gestern irgendwas verändert
hatte er etwas mitgenommen
der Pastor konnte nichts feststellen
er war wohl  noch der Alte
später hatte er einen Termin im Pflegeheim
und er freute sich darauf
nein, es war nichts passiert
alles ging seinen Gang
er führte ein ruhiges, zurückgezogenes Leben

2739/134 das Ying verbessern

von Projekten hatte er geträumt
der Robert Bücking
aber an diesem Tag
war ihm nicht nach Projekten
kalter, nasser Regen
ungemütliches Wetter
Robert war froh,
dass er als Rentner Zuhause
sein konnte
gut später musste er  sich noch aufraffen
aber das hatte Zeit
Zeit für einen Tchibo-Kaffee mit Keks
Zeit für einen Mittagsschlaf
wie der neue Mieter hieß nebenan
wusste Bücking immer noch nicht
ein Ausländer, das war klar

2737/110 vorbei

und als William die Wohnungstür  schloss
dachte er daran,
dass er gleich weiter musste zur Arbeit
die Frühstückspause war vorbei
zur Dienstbesprechung würde er nicht
mehr rechtzeitig kommen
und dann der Einfall:
ach ja, ich muss ja gar nicht
es ist vorbei
draußen nieselte es leicht
der Wind war unvermindert stark
und beim Lüften zog es ordentlich
durch die Wohnung
William erinnerte sich,
dass alles vorbei war
die Zeit mit der netten Kollegin,
die er so gemocht hatte
die Zeit des Zeitdrucks und des Stress
alles vorbei
William würde tief Luft holen
und seinen ersten Spaziergang machen
um den Block

2736/ Eitelkeit

Roderich Willenstein
erfolgreich, durchsetzungsfähig
gut aussehend und Geld
was will Mann noch?
an diesem Morgen kam Elisabeth
die Treppe herunter gestiegen
langbeinig, stolz, hochmütig,
gut aussehend, verheiratet
sie hatte ihn kaum beachtet
dennoch aber seine Eitelkeit verletzt
warum grüßt die nicht anständig
warum lacht sie nicht
gierig begehrlich schaute er ihr nach
Gott, hatte die schöne Beine
eine Katzenfrau

2735/ einfach atmen

Jack konnte sich an viele Niederlagen
erinnern,
die er in seinem Leben erlitten hatte
eine neue Herausforderung
kam auf ihn zu
einfach da sein
und einfach mitmachen
in einer Gruppe um Tai Chi zu lernen
das klang doch einfach
wahrscheinlich mit lauter Frauen
und?
er musste sich nur anpassen
zuhören, freundlich sein
und sich ganz auf die Übungen
konzentrieren
warum also hatte er Angst

2734/80 in der Gruppe

was kann schon groß passieren
geh an die Orte vor denen du dich fürchtest
ja, das werde ich tun
ich werde einen neuen Versuch machen
ich bin so oft gescheitert
da kann es auch mal wieder klappen
einfach so
ganz von selbst
sei einfach ganz du selbst
mach dir keine Gedanken
atme ruhig
es geht alles ganz von selbst
du hast in den letzten Jahren
auch positive Erfahrungen gemacht
in Gruppen

2732/226 Niederlagen

und Roderich dachte an seine Niederlagen
an die Meditationsgruppe
an die Trommelgruppe in Ohz
an die Tanzgruppe
an die zweite Trommelgruppe
an die Yogagruppe
aber ich habe es immer wieder versucht
sagte sich Roderich
Niederlagen machen erwachsen
und richtig hatte seine Meditationslehrerin
damals zu ihm gesagt:
schau nicht auf die anderen
konzentriere dich ganz auf dich
Recht hatte sie gehabt

2731/48 Benston & Hedge

an diesem Tag hatte Frau Loch
ihren letzten Arbeitstag im Cafe K.
sie war verschwunden im Aufenthaltsraum
und aß ihr Mittagessen
Frau Loch hatte immer an der Salatbar
gestanden, schüchtern, ängst, schwerhörig
sie war nie aufgefallen
sie hatte nie eine große Rolle gespielt
nun war ihre Rolle zu Ende
sicherlich war sie am Tag ihres Abschieds
traurig und aufgeregt...
Benston und Hegde diskutierten ihre
Lebenserfahrungen
ihre Beziehungserfahrungen mit Frauen
wie es gelaufen war
die erste Ehe, die zweite Ehe
die Katastrophe als Alkoholiker
Thomas saß dabei und schmunzelte
als Benston erzählte,
dass er ein Handy hat
und 15€ im Jahr vertelefoniert
der letzte Anruf sei vor einem halben Jahr
gewesen
Hedge meinte:
meine Handy-Nummer kennt keiner
Thomas grinste
dann fuhr Thomas Meyer nach Hause
später überlegte er,
was liegt an?
es lag an diesem Nachmittag nichts an
ein Spaziergang im Park?


2730/ Commissario Rossi

an dem Tag als Professore Lombardi
Commissario Rossi traf
saßen sie im "Cafe Ferrari"
und Lombardi dozierte über sein
Pensionistendasein
dass er sich nichts mehr sagen lassen wolle
dass er keine Termine mache
er wolle nur noch seinen Spaß
Commissario Rossi dagegen meinte:
ich will auch meine Ruhe
will mich gehen lassen
will meinen Stimmungen nachspüren
aber ich brauche auch etwas zu tun
ich bin auf der Suche nach einer
ehrenamtlichen Tätigkeit
in der Kirche oder in einer Initiative
meine bisherigen Projekte sind beendet
ich bin auf der Suche nach etwas Neuem
es muss nicht unbedingt Sex mit einer 22jährigen sein

2729/ Weltuntergang

am besten wäre es Mönch zu sein
irgendwo da unten im Kloster
man hätte seine Ruhe
kein Handy, kein TV, keine Zeitung
alleine mit Gott 
alleine mit sich
oder so
so aber werden wir alle langsam verrückt
in dieser medial gesteuerten Welt
in dieser bedrohlichen Welt
der Kriege, Krise und Bomben
an diesem Morgen hatte der Professore
keine Lust zum meditieren
ein schlechtes Zeichen
stand der Weltuntergang bevor?

2728/ ade!

die Griechen können von den Australiern lernen
wie man Flüchtlinge wieder zurück schickt
die Griechen haben eine starke Marine
die Welt ist schon verrückt
und wir sind es auch
an allen Ecken Europas kämpfen wir
um den Zustrom von Afrikanern
und Muslimen aus dem Nahen Osten abzuwehren
morgen kommen die dann aus Afghanistan
die auch glauben,
dass es in Deutschland schön ist
hier ist es aber nicht schön
hier ist es aber bald nicht mehr schön
wenn dieses Jahr noch eine Million kommen
dann ist hier der Bär los
dann gibt es Unruhen, Demos an allen Ecken
wie soll die Polizei das schaffen?
die Politik schafft es doch jetzt schon nicht
unsere Politiker wirken ratlos, handlungsunfähig
und die Zeit läuft
immer mehr läuft aus dem Ruder
und wir werden die Grenzen doch schließen müssen
Europa ade!
europäischer Binnenmarkt ade!

2727/232 Qigong

als Dr. Psych Peng Peng
an diesem Morgen aufstand
hatte er schrecklichen Muskelkater
in den Beinen und im Arsch
und zu seiner Frau sagte er:
ich werde morgen etwas über
meine zwölf Meridiane erfahren
"wo beim Ölwechsel?"
fragte sie
der Dr. musste lachen und meinte:
nein, im Qigong-Kurs

2726/190 Li Chang schweigt

welcher war der schmerzhafteste Augenblick
in deinem Leben?
fragte Louis Marseille seinen Freund 
Li Chang, Professor der Magie,
Li Chang schwieg lange
und dachte nach
währenddessen gingen sie weiter
auf ihrem  Spaziergang
da meinte Li Chang zu Louis:
und welche war die sensibelste Frau,
die du geliebt hat?
du stellst aber schwierige Fragen,
meine Louis
dann gingen sie langsam weiter
und schwiegen

2725/189 der verlorene Professor

auf dem Gang an der Feldmark entlang
kamen ihm nicht nur Hunde entgegen
vor denen sich der verlorene Professor
fürchtete
er entdeckte auch knospende Zweige
hier wuchs etwas 
dort wurde es grün
der verlorene Professor hatte den Verdacht,
dass sich hier sehr heimlich
hinter seinem Rücken
ohne amtliche Genehmigung
sozusagen illegal
die feinen Vorläufer eines Frühlings
breitmachten
die Kirschlorbeer war noch nicht gewachsen
aber... die feuchte Luft
hier in Fischtown hatten sie 11°C
unfassbar, unbegreiflich
der verlorene Professor setzte sich
in seinen Sessel um weiter zu lesen
über die Besatzungszeit der Wehrmacht
damals in Norwegen
und über die große Liebe...
an diesem Tag hatte der Professor
keine kalten Füße

2724/170 medialer Streik

Widdermeyers Leben war noch nie
so ruhig gewesen
wenn er morgens ungestört
seine Spaziergänge in der Feldmark
unternahm
dem nahenden Frühling auf der Spur
kein Schimmer von Flüchtlingen,
die sich zu Tausenden über die Grenze
quälten
kein Hauch von Anschlägen des IS
die nun wieder großformatig
angekündigt wurden
Widdenmeyer fragte sich,
ob er nicht einfach in einen medialen Streik
treten sollte:
kein ZDF- Heute
kein Radio Bremen mehr
kein Spiegel-online
kein Bild-online
keine Zeit online
wie viel schöner wäre seine Welt
er hatte die Tageszeitung vergessen
einfach wegschalten
er atmete tief durch und entschloss sich
zu einem neuen wunderschönen Spaziergang
in der Feldmark

2723/160 milde

als  Professor Stein an diesem
Morgen zu Fuß unterwegs war
auf seiner üblichen Runde
wunderte er sich über das merkwürdig milde
Wetter-
fast hätte er gesagt
es riecht nach Frühlingsanfang
später mittags sah er vom Balkon 
die ersten Anfänge an den Ästen
sprießen
es war sehr feucht an diesem Morgen
neblig und bis 10°C
mittags saß er mit einem Bekannten
im Cafe Wonderland und auch der
war verwundert über das milde Wetter
von Frühling sprach niemand
dann dachte der Professor:
wieso eigentlich nicht?
am 1. März ist kalendarischer Frühling
heute ist der 25. Januar 
wer weiß?
die Welt ist  verrückt

2722/60 Schrott

Dr. Schrott hatte früher als Psychiater
gearbeitet
und seine Klientel waren nicht ungefährlich gewesen
aggressive Alkoholiker,
Psychopathen mit Wahnvorstellungen
Psychotiker, die sich verfolgt fühlten
Demente, die um sich schlugen
Verwahrloste, die keine Regeln kannten
ehemalige Heimkinder ohne Grenzen
manche mussten per Zwang untergebracht werden
und Schrott fragte sich,
ob nicht der eine oder andere
vielleicht noch Rachegefühle gegen ihn hegte
hin und wieder hatte er auf der Straße
ehemalige Klienten gesehen,
gegrüßt und erkannt
wenn Schrott manchmal aus dem Fenster
seines Hauses schaute
suchte er nach jemand,
der vielleicht dort stand
und auf ihn
schießen würde
vielleicht stand dort hinter dem Baum
ein ehemaliger Klient,
der noch Rache wollte?


2721/357 Kater

David Crott wusste an diesem Morgen
schon alles
er wusste, dass er nichts bringen würde
er wusste, dass es keine langen Märsche
geben würde
lahmarschig war er aufgestanden
war es Muskelkater?
kreuzlahm fühlte er sich
das Wetter war umgeschlagen
plötzlich 9°C mildes Wetter und Nebel
er wollte nicht aufstehen
er wollte keine Pflichten erledigen
irgendwas würde anders sein
es nützte nichts...
David atmete ruhig durch
stellte die Fenster auf Kippe
und trank seinen Kaffee...
er hatte keine Wahl,
da er nicht mehr arbeiten musste
er würde später mit einer Meditation
hinten im Zimmer auf dem Hocker beginnen
das half ihm sich zu konzentrieren
das half meistens zu fokussieren
vielleicht wusste er dann mehr
keine dicken Jacken mehr
keine langen Unterhosen
David hängte die Jacken an der Garderobe um
am 1. März beginnt der Frühling,
dachte er, vielleicht ist das schon ein Zeichen??

2719/311 verrückt

ist diese Welt verrückt geworden?
wenn ich dieses Buch lese
(Randi Crott, erzähl es niemandem!)
dann war die Welt zumindest  zwischen
1933-1945 völlig verrückt, paranoid
weit weg von jedem gesunden Menschenverstand
der Rassenwahn, die Barbarei des Faschismus
und heute?
bei allem Verständnis und Mitgefühl
für das unbeschreibliche und unendliche Leid
der Juden während der Hitlerdiktatur
und des Traum-Leidens der Generationen
danach
finde ich die Politik und den Alltag
in Israel auch irgendwie paranoid
auf eine umgekehrte Weise
aus den Opfern werden Täter
aber sie merken es nicht
verrückt ist es auch, dass wir plötzlich
in Deutschland Hunderttausende von Muslimen
haben, die Asyl beantragen
Menschen aus Afrika, die vor Hunger, Armut,
Krankheit, Elend fliehen
vor Bürgerkriegen, Verfolgung
und wir wollten helfen
aber unsere Hilfe hat Grenzen

2718/300 Jan

irgendwie regnete es schon den ganzen Tag
ein ekelhaftes Wetter
da war Jan froh,
dass Frost, Schnee und Eis vorbei waren
und dann das
er stand an der Reling des Lotsenschiffes
und die "Visurgis" verließ den Geestevorhafen
raus auf die Weser
vorbei an der Geestemole Nord
der Seegang nahm zu
von Südwesten kam ihnen die Fähre
entgegen
von drüben von Blexen
und Jan Federmann dachte:
Sonntag und ich muss arbeiten
da meldete sich sein Funkgerät
Andreas von der Lotsenzentrale war dran
alles klar, meinte Jan,
und schon dampfte die "Visurgis" weseraufwärts



2717/214 Sonntagsjournal? Nein, danke!

in der Sonntagsausgabe der NZ
hat sich nun eine Journalistin gefunden,
die das Gejammer von Rechtsanwälten
und Balkan-Flüchtlingen aufgeschrieben hat
ja, es ist richtig sie abzuschieben
und ja bitte sofort
ohne Attest, ohne Widerspruch
diese Armutsflüchtlinge müssen zurück
und zwar massiv und schnell
die wissen schon lange
dass sie hier kein Recht haben
also bitte zurück
das sind diejenigen, die sich in der Hafenstraße
und beim Sozi aufgeführt haben
als seien sie hier auf Urlaub
und hätten dafür bezahlt
Balkan nein Danke!!

2714/ dankbar

und wenn das Leben ruhig ist
bist du auch nicht zufrieden
wenn kein Stress herrscht
ist dein Ego nicht zufrieden
was willst du eigentlich?
es ist doch schön,
wenn alles zur Ruhe kommt
wenn man gut schläft
wenn man sich keine Sorgen
machen muss
wenn nichts quält
wenn alles gut ist
wenn alles gut ist,
wird es schnell langweilig oder?
die nächste Aufregung kommt bestimmt
atme, genieße, sei dankbar
wenn der Feind schläft
wenn er endlich aufgegeben hat
sei dankbar

2713/41 das Wirkliche

vielleicht ist das Wirkliche
gar nicht wirklich
vielleicht bilden wir uns ein,
was wir sehen wollen
wir nehmen wahr
was uns wichtig ist
das andere Schreckliche ignorieren wir
damit es uns gut geht
damit wir überleben und leben können
so bleibt dein Leben ruhig und bequem
so kannst du dein Leben genießen
und dann einfach atmen und vergessen
Bob, schlafe weiter


2712/37 Onkel Günther

es ist sehr ruhig hier oben,
denkt Onkel Günther
als er mit dem Motorrad
an der Hütte ankommt
Onkel Günther denkt:
man könnte alles vergessen
damals waren die Deutschen
ein Volk von Verbrechern,
dass Millionen Juden vergast hat
und in Russland einen barbarischen Krieg
geführt hat
und heute wollen sie Gutmenschen sein
sie lassen Menschen aus anderen Ländern
ins Land, die auf der Flucht sind
und sich ein besseres Leben wünschen
wollen die Deutschen etwas wieder gut machen?
wollen sie etwas vom Wohlstand abgeben?
vor ein paar Jahren war die Stimmung
noch anders
vor ein paar Jahren gab es 
gab es diese Kriegs- und Krisenflüchtlinge
noch nicht
was treibt die Deutschen wirklich um?


2711/878 der Großvater

wenn der Großvater erzählt
hört sich das an
als es sei es viele Jahre  her
wenn er darüber redet
wie damals Europa auseinander brach
damals
nein, er redet nicht von 1945
und er spricht auch nicht über 1989
der Großvater meint,
dass Europa jetzt auseinander bricht
weil der Zustrom von Flüchtlingen
Europa überfordert
weil es kein gemeinsames Handeln gibt
die Milch wird in der Zentrifuge geschleudert
bis es Käse ist
und traurig meint der Großvater:
es ist zu spät

2709/832 Landhuber

am Ufer des Sees stand Herr Landhuber
er spuckte in hohem Bogen
über den See bis ans Ende
in hohem Bogen über den See
bis ans Ende der Welt
dort stand seine Geliebte
und wusste,
warum Landhuber das tat
hier war der Zaun
und die Ingrid grinste,
wenn wieder Landhubers Spucke
angeflogen kam
und grinste und lachte
und sagte:
Gott, bist du doof
du musst doch wissen...
dass ich dich liebe
dann begann Ingrid sich auszuziehen
oben herum,
dass man ihren schönen Busen sah
und dem Landhuber blieb die Spucke weg

2708/804 Herr A.

am Morgen hatte sich der Angestellte A.
der Hafenbauverwaltung verfolgt gefühlt
sie waren hinter ihm her
nicht direkt aber immerhin
da stand der alte BMW vor der Tür
wieder
der Angestellte A. hatte die Kisten nach oben
geschleppt
und dabei war ihm dieser Dunkelhäutige
auf der Treppe entgegengekommen
war der wirklich dunkelhäutig?
oder war es nur einer von hier
der hatte mit "Moin" gegrüßt
als sei er von ihr
vielleicht war das auch nur Masche
vor ein paar Tagen hatte er den Typen
noch mit einem Ausländer von da unten
zusammen im Auto gesehen
zwei Schwarze von da unten
nichts sprach für ihn
vielleicht ist es der neue Mieter?
ach, du lieber Kuckuck
sie hatten Möbel nach unten geschleppt
aha
der Angestellte A. erledigte seine Sachen
Ausländer im Haus, nein das musste nicht sein
aber verhindern konnte er es nicht
vielleicht ist er ja ganz nett,
dachte der Angestellte A. der Hafenverwaltung
er soll ja keinen Krach machen wie die andere
irgendwie fühlte sich der Angestellte A. verfolgt
aber von wem?
es war klar, …