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Es werden Posts vom März, 2016 angezeigt.

3914/ Tariks Fluchtgeschichte

gestern saßen wir zu viert zusammen
der Kollege interviewte einen 25jährigen
jungen Afghanen mit Dolmetscher
ich habe Fotos gemacht
ich war während des Interviews
mit dem Fotografieren beschäftigt
jetzt lese ich das Protokoll des Kollegen
und es ist für schockierend
was Tarik erlebt hat
sein Vater hatte eine Apotheke
mit einem Kollegen zusammen,
der zu einer Taliban-Gruppe gehörte
wie sich später heraus
der Kollege führte die Gewinne an seine
Terrorgruppen ab
als der Vater ihn zur Rede stellte
wurde er mit dem Leben bedroht
die ganze Familie wurde ständig bedroht
schließlich gingen Vater und Bruder
in eine andere Stadt um Arbeit zu suchen
sie sind verschwunden
seine Großeltern wurden von den Taliban getötet
zu Fuß machten sie sich 24 Stunden lang
auf einen Fußmarsch zum Iran
sie hatten kaum zu essen und zu trinken
unterwegs starben einige aus der Gruppe
an der Grenze zum Iran wurde auf sie geschossen
Tarik hatte auf dem Marsch schrecklichen Durst
in der Türkei fanden sie am Meer Schlepper
die sie übers Meer bring…

3913/240 Projekte

am 20. April geht das Projekt
mit dem Stadtarchiv weiter
es geht um die Vorbereitungen
für eine gemeinsame Ausstellung
des Arbeitskreises
bis Ende August läuft das Projekt
junge Flüchtlinge in Geestland
und in den nächsten Wochen beginnt
der Abriss des Altbau Marie
für zwei Projekte bekomme ich angemessene
Honorare,
so dass ich mir Mitte des Jahres 
das SE leisten kann
vor allem habe ich zu tun

3912/139 Dungeon

es war schon irgendwie unheimlich
dort in dem alten Bau herumzugehen
ein Haus, dass seit 20 Jahren leer steht
so sich Jugendliche unbefugt herumtreiben
und wo schon Obdachlose gewohnt haben
nun soll dieses Haus abgerissen werden
demnächst
in den nächsten Wochen
schrieb die Zeitung
der eine Ausgang sieht aus wie aus
dem Gruselkabinett
und hat wohl auch in einem Gruselfilm
die Kulisse gespielt
sonst Zimmer, Müll, Abfall
wir haben schon mal alles fotografiert
dokumentiert

3911/132 stille Krachmacher

als Cäsar die Treppe hoch ging
hörte er wieder diese Stimmen
von den beiden Arabern
oder waren es Syrer
oder waren es Kurden?
je weiter er nach oben stieg
umso unsicherer war er sich,
ob er wirklich Krach hörte
dann war er im 4. Stock angelangt
er lauschte aufmerksam nach Geschrei,
nach Stimmen, nach Gesang
da! nein, doch nicht
der Wagen von Ahmed stand auch nicht
vor der Tür
vielleicht musste er wieder arbeiten
den anderen hatte er schon seit mindestens
einer Woche nicht gesehen 
nein, er hörte keine Stimmen aus der Wohnung
der beiden Ausländer
ganz still war es
Cäsar überlegte einen Augenblick
sich an die Wohnungstür zu schleichen
und dort zu horchen
heute waren die Krachmacher still

3910/ der Professore träumt

als Professore Fupino an diesem Morgen
in einer chicen teuren Barbourjacke
 in seinen Fünfer-BMW einstieg,
dachte er nur an eines:
an das neue Iphone SE
ganz in Gedanken
da! plötzlich hätte er fast die Superschöne
dieses junge hübsche Ding überfahren
er bremste, sah sie an, und dachte:
wie schön doch das Leben ist
er schenkte ihr sein schönstes Lächeln
hielt an, entschuldigte sich
und lud sie zum Expresso ein
als er weiterfuhr
ohne die Süße
dachte er nur noch an eins:
an sein nächstes Iphone
und dann träumte er 
und träumte er...

3907/ nichts im Kasten

und wenn Roger in die "Hör-zu" schaute
gruselte ihm
viele Sender, aber keine schönen Spielfilme
einige Sender hatten sich aufs Idiotenprogramm
konzentriert
für wie blöd halten die uns?
oder wie anspruchslos und blöd sind wir?
auch heute gibt es wieder nichts im Kasten...

3906/34 Chef

dass dieser Chef keine Ahnung hatte
wussten alle
und alle wussten wohl auch,
dass er mit Vitamin B nach oben
gekommen war
das richtige Parteibuch
den Bürgermeister kennen oder
den Personalchef
in ihm hatte man einen beweglichen Chef
seine Entscheidungen lösten häufig
Kopfschütteln aus
seine Untergebenen grinsten und lachten
über ihn
sie waren froh, wenn er weg war
aber auch von unterwegs traktierte
er seine Untergebenen mit sinnlosen Befehlen
er gab Anweisungen, die blödsinnig waren
Hauptsache, der war wichtig
auch wenn er keine Ahnung hatte
und unter ihm ging es weiter
auch der nächste kleine Chef
eine Niete, ein Versager
ein Mann ohne Eigenschaften
ein Mann ohne Ahnung

3905/32 das Urteil

wenn sie nicht endlich gestehen,
lasse ich sie ohne Urteil hängen
und dabei sah der Richter
zum breit grinsenden Henker hinüber
der am Ausgang stand
ein Beil in der Hand
"gestehen sie endlich ihre Verbrechen!"
donnerte der Richter durch den Saal
der mickerige Angeklagte stand eingeschüchtert da
"gut", sagte er, "ich gestehe, dass ich
die Musik der Rolling Stones, der Beatles,
vor allem Genesis, aber auch Supertramp liebe"
und schon kreischte der Richter wieder los
und dabei sabberte Spucke aus seinem breiten Gesicht:
"ich will ein vollständiges Geständnis,
nenne sie alle Verbrechen und ihr Helfer!"
der Angeklagte schaute um sich
und fast kam es ihm so vor, als ob
im Zuschauersaal alle seine Götter säßen
Eric Clapton, ACDC, die Beegees...
"werter Richter, wenn ich ehrlich sein darf...
es waren soviele..."
der dickwanstige, unsympathische sprang fast
über den Tisch als schrie:
"abführen, aufhängen!"

3903 Werbung

beim Schauen der Fernseh-Werbung
habe ich den Eindruck,
dass die Werbefachleute denken:
der Zuschauer ist ein Vollidiot
mein Eindruck ist von denen:
die können es nicht
selbst bei ARD und ZDF gibt es
massenweise Werbung, die nutzlos,
wirkungslos, dumm, einfallslos ist
manchmal fragen wir uns:
was sollte das gerade?
was bewerben die?
was lernen die PR-Leute auf der Uni?
der Informationsgehalt der Werbung
ist häufig gegen Null
schade um das ausgegebene Geld

3901/210 Kramer hebt ab

die Unternehmer waren schon damals
gegen die Einführung der Rentenversicherung
das kostet alles nur Geld
das schmälert den Profit
und so können sie auch heute nicht den Hals
voll kriegen
sie waren doch die ersten als es
um die Rente mit 67 Jahren ging
man fasst sich an den Kopf wie das gehen soll
Rentenkürzungen!
Rentenniveau senken!
und der Mann, der ebenso wie Merkel
träumt von den offenen deutschen Grenzen
des Binnenmarktes und des Profit wegen
dergleiche meint jetzt:
dass wir irgendwann nicht mehr mit 67
in Rente gehen können
sich selbst meint er sicherlich nicht
Kramer hebt ab

3890/ Erwartungen

sei zufrieden mit dem was du hast
redete sich Tom ein
dabei wartete er bereits seit dem 13. Januar auf Post
sei nicht so ungeduldig
sprach Tom mit sich
und er wartete auf Mails vom Kindergarten
und vom Stadtarchiv
und er wartete auf eine Honorarzusage
und auf eine Raumzusage
Tom Steenbruck schaute aus dem Fenster
des kleinen Cafe Kafka hinaus aufs Meer
für heute bin ich ausgebucht
dachte er, morgen  habe ich zu tun,
Donnerstag habe ich zwei Termine
was will ich eigentlich
Gewissheit

3889/ Müllabfuhr

an diesem Morgen fand Fernandez
in der ganzen Straße keinen Parkplatz
auch in der Nebenstraße
hatten die Leute ihre Mülltonnen rausgestellt
ach ja, dachte Fernandez,
heute ist ja Müllabfuhr
die Stadtverwaltung hatte vor Jahren
viele Arbeitsplätze wegrationalisiert
und dafür fuhren nun Einmann-LKWs
ein Mann machte alles alleine
fuhr dicht an den Bürgersteig
um dann mühsam mit einer Halbautomatik
die Mülltonne aufzunehmen, anzuheben und
zu leeren
dafür blockierte die Stadt ganze Straßen
wieviele einfache Menschen hatten ihre Arbeit
verloren
der Erfinder des Konzepts saß in Süddeutschland
besaß drei Firmen, einen Porsche, ein Haus,
ein großes Grundstück und war Millionär
Fernandez spuckte aus

3888/251 Pessoa trifft Gaudi

nach dem die junge Frau
die Kirche betreten hatte
setzte sie sich in die dritte Reihe
auf der rechten Seite vorn
einen Augenblick dankte sie Antoni Gaudi
für die schöne Kirche
dann senkte sie den Kopf und begann
mit ihrem Gott zu beten:
Herr, ich danke Dir für den schönen Tag
und mach, dass meine Familie gesund bleibt
sie öffnete die Augen und beobachtete
die riesigen Säulen der Kirche
fühlte sich winzig klein
die Kirche von Gaudi wirkte erhaben
Herr, gib uns Frieden, betete sie laut
so dass ein älterer Herr neben ihr aufmerksam wurde
und sie anschaute und fragte:
sind sie Frau Pessoa?
Nein, ich heiße Bernard Soares
Hilfsbuchhalter
aha, meinte der alte merkwürdige Mann
Frau Pessoa wollte schon weiter beten,
da fragte sie überraschend den Alten:
und wer sind Sie?
Ich bin Antonio Gaudi,
der Verrückte der diese Kirche gebaut hat
der jungen Frau liefen spontan die Tränen herunter
sie war gerührt, begeistert, und nahm in ihn 
den alten Gaudi in den Arm
gemeinsam beteten Fernando Pessoa und Antonio Gaudi
das Vaterunser
a…

3886 SE

die Tests des neuen Iphone SE sehen
sehr gut aus, der Spiegel lobt
das neue chice Teil.
das 5s kommt in die Jahre und wird
langsamer... also sparen
irgendwann ist Geburtstag oder Weihnachten
hier ein Honorar, dort eins

3885 der Wert

woran misst sich der Wert eines Menschen?
dass er hochqualifiziert ist?
durchsetzungsfähig?
gebildet, gut ausgebildet?
oder
dass dieser Mensch sich für andere interessiert
mitschwingt, mitfühlt, Empathie hat?
kann er mit Sprengstoff umgehen
oder liebevoll mit anderen Menschen?
kann er geschickt andere manipulieren,
unterdrücken und ausbeuten?
oder denkt er/sie auch an andere
ist er solidarisch, pflegt Kontakte zu anderen
interessiert er sich nur für sich,
seinen Bauchnabel und seine Bücher
oder macht es ihm Freude anderen zu geben?

3883/ dankbar sein

nachdem Roger aufgestanden war
dachte er:
das wird ein ruhiger, langweiliger Tag
nichts Besonderes
nichts was vom Hocker reißt
 er dachte an seine Zukunft,
die ungewiss im Himmel hing
und er dachte an die Leere vor ihm
Roger entschloss sich
einen Tag der Achtsamkeit einzulegen
laut sagte er sich:
ich will diesen Tag genießen
so gut es geht
mich bedanken, dass die Sonne scheint
dass draußen der Frühling im Garten liegt
und dass wir zu zweit sind
ich will dankbar sein für die Ruhe
und die Zeit
ich will dankbar sein für das schöne Buch
und die 10.000 Schritte

3882/ erleben

morgens hatte der Rentner häufig
das Gefühl,
dass in seinem Leben nichts mehr
passierte an diesem Tag
aber wenn Louise dann aufgestanden war
erfüllte sich die Wohnung mit Leben
es ergaben sich Erlebnisse
im Laufe des Morgens fühlte sich manches
ganz anders  an, 
gelebt eben, erlebt

3879 der neue 4er

keiner wusste warum,
aber als Dr. Faruzzi an diesem Tag
genau vor der Haustür 
aus einem silbergrauen BMW ausstieg
schaute die alte Staudenmeier vom Balkon
und meinte:
na, haben sie einen neuen Maserati?
und der türkische Nachbar meinte
vom Nebenbalkon:
das ist ein geiler Schlitten, Ashton Martin!
aber Dr. Faruzzi grinste und meinte nur cool:
Lottogewinn, der Porsche steht um die Ecke
das ist nur der 4er BMW 
aha, kommentierte die alte Staudenmeier:
Lottogewinn, vier Richtige oder watt?
Professor Dr. Faruzzi lächelte,
schloss seine Barbourjacke und ging nach oben



3878/171 Peitschenschläge

dieses Mal wollte man es in der Großen Stadt
einmal anders machen
diesen Verbrecher würde man
nach seinen eigenen Regeln bestrafen
dazu hatte man den Scharia-Rat aufgefordert
Vorschläge für die Bestrafung zu machen
der Angeklagte wurden zu 200 Peitschenhieben
verurteilt
auf dem Marktplatz standen schon Tausende
um der Bestrafung des Terroristen beizuwohnen
seit Tagen stand der dort in einem Käfig
öffentlich zur Schau gestellt
die Leute hatten ihn bespuckt
einige hatten vergeblich Steine geworfen
dieser  Mann Obdulsammel Okscher sah schlecht aus
er hatte seit Tagen nichts gegessen
kaum etwas getrunken
man hatte die Hinrichtungsstätte abgesperrt
und hinter der Absperrung stand
Ismail und meinte:
von dem wird nicht viel übrig bleiben
nach zweihundert Peitschenschlägen
und sein Freund antwortete:
für seine terroristischen Verbrechen gibt es
keine angemessene Strafe
also einsperren oder?
eine ältere Frau meinte:
das ist doch barbarisch, was ihr hier macht?
was hat er denn überhaupt gemacht?
Ismail: er ist der Kopf ein…

3877/ peng

ach, komm mach hin
sagte er zu seiner Kollegin
und sie tranken noch ein Bier
draußen blendete die Sonne voller Frühling
Jim lachte laut
und Anne-Marie sah ihn ernst an
es war ihre Stunde
es war ihr Tag
Jim ging ihr schon lange auf die Nerven
und sie wusste etwas,
dass niemand wusste
über ihn
Jim nahm sein Bierglas  hoch
und trank noch einen Schluck
Anne-Marie zog die Pistole heraus
Gott, ist die schwer, dachte sie
sie entsicherte die Waffe und zielte
auf Jims Kopf, dann sagte sie:
"für damals"

3876/81 im Bergstollen

zugegeben in dem alten Bergstollen
war es unheimlich, feucht und kalt
Odchison fror aber nicht
er ging wie eine lahme Ente
schief und krumm
immer weiter in den Berg hinein
es wurde  dunkler und seine Lampe
fing an zu flackern
er musste etwa einen Kilometer 
gegangen sein
als er eine Falltür nach unten entdeckte
sein Kreuz tat ihm weh
er musste sich erkältet haben
und da unten stand etwas,
dass ihn faszinierte
Odzchison musste lachen
"doch nicht hier!"
rief er nach unten hinunter
aber sie ließ sich nicht beeindrucken
und lockte ihn nach unten
Ochison musste zugegeben,
dass sie sehr schön war...
dann begann er den mühsamen
Abstieg auf der Eisenleiter
und hörte sie lachen...



3875/35 Geheimnis

das Geheimnis des Lebens
findest du in diesem Augenblick
dankbar sein und es genießen
das Beste draus machen
sich spüren und sich freuen
über kleine Dinge
die kleinen Dinge genießen
dass der andere da ist
dass man nicht alleine ist
dass man sich unterhalten kann
dass man sich austauschen kann
in diesem Augenblick sich spüren
und merken wie gut es einem geht

3874 dankbar

vielleicht passiert ja doch 
etwas Überraschendes
an diesem grauen Tag
ein nettes Erlebnis
zwei süße, kleine Zwillinge 
eine schüchterne Sechsjährige
Begegnung mit einer Nichte,
die wir lange nicht sahen
was macht Hans Hand und seine Arbeit?
nette Gespräche harmlos
ein gutes Essen
eine nette Kellnerin
ein schönes Lokal
jemand, der sich freut mich zu sehen
oder ich freue mich
einen Verwandten wiederzusehen
so ist das mit den grauen Tagen
ich will dankbar sein
für das was ich habe

3873/ sich öffnen

heute wird nichts passieren
grau in grau ist der Himmel
heute wird nichts passieren
es geht alles seinen Gang
wie immer
heute lass ich mich überraschen
vom grauen Alltag
von meiner Spontaneität
öffne mein Herz
und lass es passieren
eine nette Feier
nachmittags soll die Sonne rauskommen
atme Professore Luigi
atme

3872/291 Brüder

am Vortag war Jamie gelaufen
genauer 16.511 Schritte und
er war stolz auf sich
dazu zwei Runden im Weserpark
mit den Stöcken ja das war gut
als er aufstand merkte er,
dass ihm der Film am Vorabend
nicht bekommen war
es ging um zwei Schuhfabrikanten
zwei Brüder, die sich bekämpft hatten
Addidas und Puma
dann spielte der Film auch noch in der Nazizeit
und Jamie regte sich auf
über Rassenpolitik und Macht
über zwei Brüder, die nicht miteinander
konnten

3871/224 Altbau Marie-von-Seggern-Heim

bevor der Altbau des MvS-Heimes
demnächst abgerissen wird
noch ein paar Fotos
der Beginn einer Dokumentation
des Abrisses









3869/183 Bergbau

drei ältere Herrschaften saßen 
hinterm mir im Restaurant
die Tochter erzählte von ihrem Besuch
im Bergbaumuseum im Harz
dass die Bergarbeiter früher zwei Stunden
absteigen mussten zur Arbeit
da unten ohne Bezahlung
und viele Stunden später auch wieder
zwei Stunden aufsteigen ohne Bezahlung
beim Reinkommen waren ihre Eltern
sehr nett, grüßten herzlich und wünschten
uns guten Appetit
mir ging das Herz auf
Rammelsberg

3862/64 Unruhe

seit ich nicht mehr arbeiten muss
ist es ruhiger geworden 
in meinem Leben
sehr deutlich ruhiger
ich habe in dieser Zeit
eine Foto-Ausstellung im Marie gestaltet
35 SW-Portraits von Bewohnern
danach eine Foto-Ausstellung in der Villa
"mit allen Sinnen"
danach eine Foto-Galerie beim Fest der Kulturen
in Bederkesa "Flüchtlinge"
danach die Foto-Ausstellung "Flüchtlinge
in Geestland" im Langener Rathaus
die nun im Rathaus in Beers hängt
danach eine weitere Ausstellung im
anderen Flügel im Marie-von-Seggern-Heim
"Bremerhaven im Wandel"
im April soll im Bürgerbüro Nord
eine gemeinsame Ausstellung mit dem
Arbeitskreis mobile Stadtchronisten stattfinden
mit einem Jugendclub mache ich ein Projekt
"junge Flüchtlinge in Geestland"
im April werde ich beginnen den Abriss des
Altbau Marie zu begleiten
und es gibt noch zwei weitere Ideen
die noch in der Luft hängen
zur Zeit habe ich nur einen Termin in der Woche
nächste Woche werden es zwei sein
mühsam ernährt sich das Eichhörn…

3860/52 Bauruine

sie sagen bedeckten Himmel an
bis 12°C an für Bremerhaven
ich möchte nun bald beginnen
den Altbau des Marie-von-Seggern-Heimes
zu fotografieren
bevor der in den nächsten Wochen
abgerissen wird
innen und außen
Schwarz-weiß und Farbe
kein schönes Gebäude mehr
verwahrlost, heruntergekommen
eine Bauruine


3859/ Krieg

vielleicht ist ja alles ganz anders
vielleicht siehst du nur zu schwarz
vielleicht gibt es die Bedrohung nicht
einfach nur gerade aus schauen
nicht links, nicht rechts
sind wir denn im Krieg?
befinden wir uns im Krieg?
jeden Tag Bomben?
es ist schon eine enorme Bedrohung
die Anschläge in Paris und Brüssel
und es waren die gleichen Leute
sie konnten unerkannt arbeiten
unbeobachtet von der Polizei
weil die Polizei geschlafen hat
guten Morgen!


3858/ this moment

gerade dieser Augenblick
ist geprägt von der Vorfreude
auf den Spaziergang
auf das Mittagessen im Restaurant
auf das Fotoprojekt Abriss
auf das Fotoprojekt Flüchtlinge
wegen meines neuen Buches
"Jeffrey Archer: Spiel der Zeit"
dieser Augenblick ist schön,
weil ich gut geschlafen habe
weil Julia da ist

3857 dieser Augenblick

träume nicht vom Morgen
von den Projekten,
die dich beschäftigen
freue dich nicht übers gestern
deine 13.500 Schritte
freue dich nicht über den guten Schlaf
sei hier
nur das Jetzt zählt
nur dieser regnerische Tag
spüre und atme
genießen diesen einen Augenblick
und dann den nächsten
atme und sei dankbar
mach das beste draus
es ist dein Leben

3855/ grauer Tag

für den ehemaligen Steuerbeamten
war es schwer
sich damit abzufinden
dass es ein grauer, regnerischer Tag
werden würde
er lag seit zehn Jahren mit seiner Ex
im Scheidungskrieg
er lag seit Jahren mit einer Nachbarin
im Krieg
und er führte einen Krieg mit der Verwaltung
aber sonst ging es ihm gut
er war ein geselliger Mensch
nur graue Regentage mochte er nicht
vielleicht würde er sich treffen
mit seiner Freundin
vielleicht würde es ein langweiliger Regentag
werden- er konnte es nicht ändern

3854 Rägen

es regnete den ganzen Morgen
Bindfäden wie ein Weltuntergang
es würde immer so weiter regnen
und niemals wieder aufhören
immer weiterregnen
und es würde keine Hoffnung mehr geben
bis die Kanalisation übergelaufen war
Ben würde die Sonne niemals wiedersehen
grau in grau
chancenlos und Regen
und dann im Radio diese Meldung,
dass es am Nachmittag Sonne geben werde
das würde Ben bezweifeln

3853/ schlaganfall?

vor vielen Jahren hatte die Psychologin
dort im Edekaladen gestanden
und plötzlich hatte sich der Fußboden
gedreht in eine schiefe Ebene
Gleichgewichtsstörungen?
und ihre linke Seite fühlte sich anders an
Schlaganfall?
die neurologischen Untersuchungen
und Gespräch ergaben nichts
außer, dass der Neurologe am Ende sagte
sie könne prophylaktisch täglich
zweihundert Milligramm ASS nehmen
falls es doch..
später immer mal wieder 
wenn die Psychologin zur Ruhe kam
fühlte sie ihre linke Seite als anders
aber niemand wusste eine Antwort
vielleicht war es der Rücken?

3852/35 der Schlaf

gestern erzählte Susanne,
die Frau aus dem Schaufenster
dass sie nun nach drei Jahren
wohl ihre Schlafstörungen überwunden hat
damals vor drei Jahren schlief sie
nur noch bis 3.30 Uhr oder so
sie hatte Stress ohne Ende auf der Arbeit
war zunehmend überfordert
trank auch nachmittags noch Kaffee
aß abends zum Abendbrot zuviel
trank vor dem TV zuviel Bier
und dann der Mittagsschlaf
schließlich ging nichts mehr
Schlaftabletten brachten das Ende
sie wurde lange krank geschrieben
und ein Heilpraktiker machte ihr Mut
sie begann sich an die Schlaf-Hygieneregeln
zu halten
es war ein langer Weg und sie sagt,
sie muss sich an die Schlafhygieneregeln  halten
sonst ist ihr Schlaf in Gefahr
und ihre Lebensqualität

3851/ der Beamte

der Beamte kannte das schon
er stand morgens auf und sagte sich:
du brauchst mehr Kontakte
und wenn es dann soweit war
wurde es ihm schnell zuviel
mit den vielen Menschen
mit ihren Problemen und ihrem Gerede
der Beamte war froh,
wenn er seine Ruhe hatte
seine Ruhe hatte
aber doch auch wieder Leute treffen
etwas Neues erfahren
sich überraschen lassen
hinausgehen in die Welt
und sich zurückziehen auf die Insel

3850/338 der Knoten

während des Mittagsschlafes
hatte der Schreiner ein merkwürdiges
Gefühl gehabt
war es ein Knoten im Kopf?
schließlich entschied er sich
nicht für einen Schlaganfall,
sondern für seine vielen Probleme
für die Überraschung, die ihn am Morgen
erwischt hatte
die freudige Nachricht hatte ihn aus dem Tritt
gebracht
schließlich entschied sich der Schreiner
am nächsten Tag sich keine Sorgen
und Gedanken zu machen
über mögliche Arbeitsprojekte
es kommt wie es kommt
und ich habe keine Macht
meinte er zu sich
den Knoten im Kopf spürte er
noch am nächsten Morgen
ich nehme mal eine Aspirin
die ist für die Durchblutung
vielleicht ist es ja doch...

3843/ Anna schreibt an den lieben Gott

Lieber Gott,
ich wünsche mir,
dass die Terroristen aufhören böse zu sein
dass sich die Eltern nicht streiten
mach, dass Frieden kommt
und schick meine Lehrerin in die Hölle
ich habe gehört, dort ist noch viel Platz
in der ersten Reihe
und mach, dass die alte Nachbarin
nicht so böse guckt
ich habe doch nichts getan
lieber Gott, ich wünsche mir Frühling
und dass ich mehr Taschengeld bekomme
und dass Papa mir endlich ein Handy kauft
und lieber Gott,
dann schenk ich dir auch meinen Nachtisch
aber nicht den Schokopudding mit Vanille

3838/ Ungeduld

vielleicht hatte Julia irgendwas
falsch gemacht
vielleicht war sie auf dem falschen Weg
vielleicht hatte sie sich verlaufen
sie wusste es nicht
Julia wusste gar nichts mehr
vor ihr tat sich Leere auf
hässliche, langweilige Leere
und es meldete sich ihre Ungeduld
ihre schreckliche, schmerzhafte Ungeduld
Julia musste wieder einmal warten
warten auf Arbeit
auf etwas zu tun
sie hatte Ideen und Projekte
aber es tat sich nichts
der Kindergarten hing in der Luft
der Abriss des Altenheimes war eine Idee
mehr nicht
eine Ausstellung im Bürgerbüro ja
aber sie hörte nichts mehr
ein Fotoprojekt im anderen Pflegeheim
vielleicht?
oder der Bau einer Megayacht?

3837/336 graue Tage

Christoph Grabow saß an der Weser
und hatte das Gefühl,
dass er schon alles geschrieben hatte
was zu sagen war
er war fleißig gewesen
hatte beobachtet
und hatte seine Erlebnisse
niedergeschrieben und nun war
es gut
es würde sich nun wiederholen
Tag für Tag
ein grauer Tag nach dem anderen

3836/239 Telekom LTE

gestern und heute habe ich erste Erfahrungen
mit dem Magenta mobil S gemacht
bis 150 Mbit
gestern Abend habe ich 59 Mbit und 45Mbit gemessen
heute auf dem Spaziergang in Bremerhaven
waren es einmal 93 Mbit und 53 Mbit
auf dem Land war ich sehr überrascht,
weil in einem Ort, wo sonst nur Edge hatte
ein sehr schlechtes Netz
hatte das LTE-Netz nun 5 Balken

3835/ junger Flüchtling

Interview in einem Jugendcafe
mit einem jungen Flüchtling aus Dubai,
der syrischer Staatsbürger ist.
Bei der Verlängerung seines Passes
wurde er von der syrischen Botschaft
aufgefordert sich zum Kriegsdienst zu melden.
Früher konnte man sich freikaufen,
das geht nicht mehr.
Die junge Kollegin führte das Interview
auf Englisch. Der 19 jährige möchte in
Deutschland studieren. Ich habe ein paar
Fotos mit seiner Genehmigung gemacht
für unsere Ausstellung.
Er ging mit seinem Bruder durch sieben Lager,
besser Zeltcamps, lernte dort Syrer kennen,
die aus dem Krieg kamen. Der junge Flüchtling
sagt: wenn man kein Deutsch spricht, ist man
verloren. Er spricht sehr gut englisch, er wollte
helfen und nicht herumsitzen. Also dolmetschte er
und kochte er in den Lagern.

3834 jump

zusammen mit Hugh Grant
tanze ich zu "jump"
von den pointer sisters
er der englische Premierminister
in seinem Palast
und ich
und wir haben unsere Musik
und wir haben unseren Tanz
und wir lieben das Leben
sie aber lieben nur den eigenen Tod
die Brüder, die am Flughafen
sich in den Tod bomben
sie wollen vernichten und sterben
wir aber haben unsere Musik

3833/157 Currywurst mit Bier

in dem Imbiss aß ich 
meine Currywurst mit Brot und Bier
hinter dem Tresen stand die
Besitzerin mit  wilden Haaren
und ich stellte mir vor,
von ihr ein SW-Porträt zu schießen
40 x 60cm oder 60 x 80cm 
dass sie an die Wand hängen kann
als Werbung
Text unten im Foto:
meine Currywurst ist locker
oder wild thing makes me grovy
sie fand die Idee gut,
möchte aber nach Ostern renovieren
und dann lieber ein Gruppenbild der
gesamten Mannschaft also  neun Frauen
und ich meinte:
ich bin für jeden Unsinn zu haben

3830/ Überschwemmung

die Angst und der Terror kriechen in jede kleine Lebensecke und die Medien geben keine Ruhe sie wollen uns fertig machen die Terroristen sind im Krieg mit uns und wir merken es nicht unser freies Leben setzen gegen den Terror dem Terror im Kopf keine Macht geben
den Medien im Kopf keine Macht geben auch heute Morgen auf Radio Bremen nur das eine Thema im Radio wie zentral gesteuert damit ich weiß, was ich denken muss das ist wie Indoktrination
oder Überschwemmung

3829/36 Krieg

eigentlich ist es wie immer
ich werde Abstand halten zu den großen, aufregenden Ereignissen ich will versuchen einen achtsamen Tag zu machen Ruhe und Gelassenheit dankbar sein, dass es uns gut geht und dann frage ich mich, wie unsere Eltern die Kriegszeit überlebt haben wieweit war es noch möglich zu leben unter dem ständigen Bombenterror von oben oder die Angst der Männer nach dem II. Weltkrieg ging die Angst vielleicht weiter die Angst zu verhungern Einschränkungen,  Hunger, Not wie haben die das gemacht waren sie deshalb so ernst und so hart zu sich?

3827/27 Lebensgefühl

das Ziel der Terroristen ist es
unser Lebensgefühl zu zerstören,
dass wir in Angst, Panik und Schrecken leben
die Presse mit ihrer Sensationsmache
trägt ihren Teil dazu bei
das noch zu verstärken
es wird Zeit, dass sich Bild, Spiegel u.a.
mäßigen und die Bilder nicht 1:1
weitergeben
bremsen, runterfahren, Abstand
oder ich muss mich von dieser
sensationslüsternden Presse weghalten
mir einen schönen Tag machen
wie hatte mein Heilpraktiker 2013 
zu mir gesagt?
halten sie Abstand zum Internet
und zu den Medien
er hatte Recht

3825/ Medien

wenn ich zum wiederholten Mal
spiegel-online lese und
die dramatische Berichterstattung
könnte man meinen,
wir befinden uns im Krieg
Bild-online war immer schon dramatisch
und sensationsgeil
die Medien haben jetzt ihre großen Tag
endlich mal Aufmerksamkeit
Auflagen, Einschaltquoten
haltet das Thema am Kochen
das nervt
also wegschalten oder wie?
einfach den Terrorismus wegschalten?
ignorieren?

3823/14 LTE

gestern Abend konnte ich nun
zum ersten Mal den Magenta mobil S
nutzen und testen
einmal zeigt mir die Connect-App
59 M/bit an und das zweite Mal 43 M/bit
das ist doch ganz gehörig
die Telekom schreibt mir,
dass sie mir für den ersten Monat
das Datenvolumen aufstockt, wieviel?
ab 19.4.2016 gibt es dann 1 GB

3822/391 Versagen

die Anschläge von Brüssel zeigen,
dass die Sicherheitsbehörden irgendwas
falsch machen
dass die sich in Europa frei bewegen können
dass es keine oder unzureichende Grenzkontrollen gibt
dass sich Abdelsalam wochenlang in
Molenbeek verstecken konnte 
gleich um die Ecke von Muttern und seiner
früheren Wohnung
das ist das Risiko unseres freien Marktes

3821/ Ruhe

und die Ruhe ist schön,
wenn man sie genießen kann
wenn man sich nicht gerade wieder
Sensationen aus der Presse reinzieht
man kann seine Ruhe haben
aber man verpasst vielleicht auch was
vielleicht einen Spaziergang machen
vielleicht sich über die ausländischen Nachbarn
aufregen, die laut ihrer Wohnung
reden
aber sonst ist alles gut
aber sonst wird alles gut
grins

3818/ Mitgefühl

und alle die vielen unschuldigen
Menschen, denen der Terror Arme
und oder beide Beine abgerissen hat
es ist unvorstellbar mit welcher
Grausamkeit diese Teufel vorgehen
das hat mit Islam nichts zu tun
das ist so menschenverachtend
wie damals der Faschismus
schrecklich
unser Mitgefühl gehört den Opfern

3817/241 Teufelsbrut

sind die Anschläge in Brüssel
nun die Rache der Teufelsbrut
weil die Polizei ihren Kindskopf
festgenommen hat?
oder ist das die Planung dieses Idioten?
im Zentrum Europas
im Machtzentrum Europas
gut geplant
aber letztlich nur Teufelswerk
sinnloses dummes Gemorde
diese Teufelsbrut hat nichts zu bieten
als den Tod und das Verderben
sie sind perspektivlos
sie haben nichts zu geben
sie wollen nur Macht und Zerstörung
sie wollen andere leiden sehen
dann geht es ihnen gut

3816/ Tälekomm

die SIM-Karte der Telekom
ist nach einem Tag gekommen
eine Mobilfunk-Nummer ist nicht dabei
SIM-Karte einlegen, entsperren
nun muss ich warten 24 Stunden
bis die Telekom meine SIM
freischaltet
und mir hoffentlich auch eine Telefon-Nummer
zuweist
man gut, dass ich noch das alte Nokia
und die Congstar-Nummer  habe

3815/ Ruhe

ich war gerade wieder zur Ruhe gekommen
nach den unruhigen Tagen um
die Flüchtlings-EU-Krise
nun wieder Aufregung
am Brüsseler Flughafen soll es Explosionen
gegeben haben
Abdelsalamm sitzt in seiner Zelle
und reibt sich die Hände

3814/167 Frühling

wenn es nach Wetter-online geht
steht der Durchbruch des Frühlings
unmittelbar bevor
heute sollen wir wieder 9°C bekommen
und das ist schon eine ganze Menge
keine dicken Jacken mehr
keine lange Unterhose mehr
Spaziergänge machen mehr Spaß
und wenn ich auf den Balkon gehe
kriege ich nicht gleich den Kälteschock
mehr Sonne
längere Tage

3813/341 LTE

der Wechsel von Congstar zur Telekom
wird heute passieren
ich soll heute Morgen meine neue SIM
bekommen
natürlich auch eine neue Nummer
ich werde also meine Mailbox
besprechen für die, die ich vergessen habe
oder nicht erreichen kann
dann eine Mail an verschiedene Leute
und einige SMS an Bekannte
und dann die SIM einlegen und abwarten
alle meine Daten sind ja bei Icloud gespeichert
Kalender und Kontakte genial
ich freue mich auf riesig auf
das LTE-Netz der Deutschen Telekom
bis 150 M/bit mal schauen

3813/259 Nachbarn

ja, sagte Professor Schmidt,
die sind ganz schön laut
und auffällig die Flüchtlinge
wie seht ihr das denn?
fragte er Randolf,
ach, meinte Randolf,
der vorige Mieter war auch ganz schön laut,
wenn der sich mit seiner Frau gestritten hat
da flogen aber die Fetzen
und der Professore erinnerte sich
an die kleine zarte Französin,
die keiner Fliege was zuleide tun konnte

3812/341 Marie-von-Seggern-Heim Altbau

der Altbau des Marie-von-Seggern-Heimes
soll laut NZ in den nächsten Wochen
abgerissen werden
ich hatte angeboten
den Abriss fotografisch zu begleiten
so dass man später im neuen Heim
eine Ausstellung des alten Hauses
im Abriss machen könnte
warten wir es ab






3811/ lächle

und wenn Du an Deinen Nachbarn denkst
den, der so muffelig und unfreundlich ist
der von dem Du denkst
er sei psychisch krank
und wenn Du an den Nachbarn denkst
der Rasierklingen unter den Armen hat
lächle,
du kannst sie nicht alle töten

3910/ auf Wiedersehen Congstar

25 Minuten auf dem Crosstrainer
zum Getränkemarkt und 4 Kisten holen
Spaziergang zur Apotheke
und kann ich auch mal
nichts tun? 
mal nicht am PC sitzen
und nicht mit dem versteckten Spielautomaten
meinem Smartphone herumfummeln?
Congstar verzögert die Rufnummer-Portierung
das ist kein schöner Abschied
habe mich nun entschlossen
auf die Portierung zu verzichten
oder zur Telekom zu gehen
und ich spare die Portierungsgebühren
von 25€

3908/506 Kuhdamm 56

Kuhdamm 56
ich wurde zurückgerissen in
meine Kindheit
die Zeit als die Erwachsenen
noch auftraten wie Altfaschisten
herrisch, patriarchalisch und autoritär
zuschlagend und gottgleich
eine widerliche Zeit
in der Kinder nichts zu melden hatten
der Regisseur ist aber ein Versager
weil er die Töchter mit zwei jungen
Schauspielerinnen besetzt hat,
die zwar schöne Gesichter haben
sich aber ansonsten durch den Film nuscheln
ich konnte nicht verstehen,
was ihre Schwestern sagten
wenn eine junge Frau vergewaltigt wurde
hatte sie selbst Schuld
ich habe an unserer heutigen Gesellschaft
viel zu kritisieren
die Verwahrlosung von Sitten und Regeln
aber die Gleichberechtigung der Frau
ist das beste was wir haben

3907/429 spekulation

also gut ich gestehe
ich gebe es zu
dass ich es war
könnte er gesagt haben
vielleicht hat er ja seinen Sprengstoffgürtel
nicht gesprengt,
weil sein Handy klingelte
und er einen Auftrag bekam
in Brüssel weitere Anschläge
vorzubereiten
du wirst noch gebraucht
Abbesdalam

3904/411 emotions

im Internet unterwegs 
stolperte ich auch über einen Blog
in dem ein Mann schreibt
er beschreibt sachlich 
seine Spaziergänge im Park
die Jahreszeit, die Bäume und Pflanzen
die Veränderungen
er meditiert über das Leben und den Tod
über die Vergänglichkeit des Lebens
schreibt über Bücher,
die er liest
und für mich habe ich daraus gelernt,
ich muss versuchen mehr einzubringen
was ich empfinde, was ich empfunden habe


3903/377 Hafenwelten

untitled

für ihn ist es wichtig,
dass wir uns Siezen
ich hätte es gerne anders
eigentlich ist es eine Bekanntschaft
eine professionelle Beziehung 
zwischen Restaurantbesitzer und Kunden
aber es ist auch freundschaftlich
es ist eine gute Bekanntschaft

3901/228 bei Libanesen zu Besuch

vor einigen Jahren waren wir zu Besuch
bei einer libanesischen Familie
wir wollten uns beschweren
und wurden gastfreundlich empfangen
die Einrichtung war ziemlich westlich
Computer und Internet
die drei Kinder saßen brav und neugierig
auf dem Sofa
er war selbständig, freundlich und diplomatisch
er sprach gut deutsch
die Mutter war überheblich, sprach kaum deutsch
entstammte einer reichen saudischen Familie
während des Gesprächs erzählte er,
dass er den Libanon damals im Bürgerkrieg 
verließ, sein Bruder wurde von den Israelis
erschossen und der ganze Judenhass
der beiden kam auf den Tisch
sowas  habe ich vorher nicht erlebt
sie sah ich schon mit Sprengstoffgürtel
dort sitzen